Das Rätsel blauer Zehen

Bei oft schmerzhaften blauen Zehen kann es sich um ein Blue-toe-Phänomen ­handeln. Orthopädin Dr. Renate Wolansky stellte diese Durchblutungsstörung bei ­verschiedenen Grundkrankheiten vor.

Am Anfang soll eine kurze Beschreibung der anatomischen Begebenheiten stehen. Zahlreiche Anastomosen verbinden die Arteria dorsalis pedis (Fußrückenarterie, Fortsetzung der Arteria tibialis anterior [vordere Schienbeinarterie]) mit der Arteria plantaris medialis und lateralis (innere und äußere Sohlenarterie (Äste der Arteria pos-terior [hintere Schienbeinarterie]). Die Mittelfußregion wird von Arteriae metatarsae dorsales und plantares versorgt, die durch eine Vielzahl von Anas­tomosen (Verbindung zwischen zwei Blutgefäßen) als Aa. perforantes proximales, distales und interdigitales miteinander verbunden sind. Tritt eine Schädigung der Aa. metatarsae dorsales und/ oder planteres auf, erfolgt die Blutversorgung des Mittelfußes über die Aa. perforantes. Im Zehenbereich sind die dorsalen und plantaren Digitalarterien (Zehenarterien) durch sogenannte „Rundanastomosen“ verbunden. An Zehenmittel- und -endgliedern erfolgt die Durchblutung durch distale Anastomosen der lateralen und medialen Digitalarterie jeweils eines Zehs.

Blue-toe-Phänomene und ihre Ursachen
Blue-toe-Phänomene können verschiedene Ursachen haben. Ein plötzliches Auftreten blauer Zehen deutet auf einen Verschluss der Digitalarterien hin – sowohl in den betroffenen plantaren als auch dorsalen oder beider Digitalarterien. Dabei ist eine Kompensation durch die oben genannten Anastomosen nicht mehr möglich. Der Verschluss nur einer Zehenarterie, entweder der plantaren oder der dorsalen Zehenarterie, bleibt meistens folgenlos.
Auslöser eines akuten Verschlusses von Zehenarterien sind vor allem Mikroembolien. Es handelt sich dabei um proximal gelegene Gefäßplaques (Platten), die sich spontan von der Gefäßwand lösen oder iatrogen (durch diagnostische oder therapeutische Einwirkungen) – zum Beispiel durch Katheter – abgelöst werden. Ebenso kommen Thromben oder Cholesterinkristalle ursächlich infrage. Des Weiteren können pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit), hier besonders bei Diabetes mellitus (Abb. 1), Paraneoplasmen (Erkrankungen im Zusammenhang mit Neo­plasmen [autonome Neubildung von Gewebe]) oder unerwünschte Arzneimittelwirkung (UAW) zum Beispiel durch Ciclosporin (zur Immunsuppression bei Zustand nach Organtransplantation oder Autoimmunkrankheiten) Auslöser sein.

Klinische Symptomatik
Häufig tritt eine schmerzhafte Blauverfärbung eines oder mehrerer Zehen auf, ohne vorausgehende Symptome. Aufgrund des Kollateralkreislaufs (Umgehungskreislauf) zeigt die bläuliche Verfärbung gelegentlich eine rückläufige Tendenz. Lästige begleitende Symptome bei dem Prozess sind starkes Kältegefühl und/oder Parästhesien (Missempfindungen) wie taubes, pelziges, brennendes, stechendes oder kribbelndes Gefühl, die den nächtlichen Schlaf erheblich stören können. Bei einer höher liegenden Arterienstenose erscheinen die peripheren Pulse meistens abgeschwächt.
Schwere Folgen betreffen eine sich entwickelnde Zehenkuppennekrose (sogenannter Zelltod).

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