Zusatzkosten durch Alterung überschätzt?

Was kostet uns der demografische Wandel? Im Gesundheitswesen auf jeden Fall deutlich weniger als bislang angenommen. Neue Berechnungen der Barmer GEK zeigen, dass nur rund 18 Prozent der jährlichen Ausgabensteigerung auf reine Altersstruktureffekte entfallen. In den vier Jahren 2007 bis 2010 sind die jährlichen Kosten um durchschnittlich rund 88 Euro pro Kopf gestiegen, davon waren jeweils nur 16 Euro demografiebedingt. Das Argument „Demografischer Wandel“ werde zu sehr in den Vordergrund geschoben. Medizinisch-technischer Fortschritt, veränderte Angebotsstrukturen, Preiserhöhungen sowie die zunehmende Vermarktung medizinischer Leistungen seien zusammengenommen viel größere Ausgabentreiber, so die Barmer GEK. Um den Demografieeffekt zu isolieren, wählte Autor Uwe Repschläger, der bei der Barmer GEK den Bereich Unternehmenssteuerung leitet, ein einfaches Berechnungsverfahren: Für das Basisjahr 2007 wurden zunächst die durchschnittlichen Ausgaben je Altersgruppe ermittelt. Im zweiten Schritt wurden dann diese Ausgabenwerte konstant fortgeschrieben und mit dem jeweils veränderten Alters- und Geschlechtsaufbau der Folgejahre 2008 bis 2010 multipliziert. In Zukunft werde der Einfluss des demografischen Wandels auf die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen sogar noch geringer, prognostiziert Repschläger. Bis zum Jahr 2040 sei von einer altersbedingten jährlichen Zunahme zwischen 11 und 13 Euro pro Kopf auszugehen. "Den Höhepunkt demografiebedingter Kostensteigerung werden wir bereits im Jahr 2013 erreicht haben."