5,5 Milliarden Euro für Gesundheitsforschung


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Krebs, Alzheimer, Schlaganfall, Herzinfarkt, Diabetes: Angesichts der erwarteten Zunahme gefährlicher Volkskrankheiten in einer alternden Gesellschaft hat die Bundesregierung ein neues „Rahmenprogramm Gesundheitsforschung“ aufgelegt und will bis 2014 5,5 Milliarden dafür bereitstellen. Ziel sei es, rasch neue Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen und die Prävention zu verbessern, erklärten Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) und Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP)in Berlin. Zwar hat die Gesundheitsforschung nach Schavans Worten bereits wichtige Fortschritte erzielt. Zum Beispiel könnten inzwischen mit einem einfachen Bluttest Herzinfarkte schnell diagnostiziert und behandelt werden; damit sei die Sterblichkeit nach Infarkten um rund ein Drittel gesunken. Auch für Tumore an der Schädelbasis habe sich durch eine in Darmstadt entwickelte Ionentherapie die Heilungsquote auf 70 bis 90 Prozent erhöht. Dennoch erforderten gerade die Volkskrankheiten weiter intensive Forschung, erklärte Schavan und die Ergebnisse müssten so rasch wie möglich umgesetzt werden. Entscheidend sei dabei, das Kästchendenken einzelner Medizin- und Forschungszweige zu überwinden, sagte Schavan. Neue Erkenntnisse müssten auch in die Gesundheitsvorsorge einfließen, denn da gebe es Nachholbedarf, sagte Gesundheitsminister Rösler. Er nannte als Beispiel den Schlaganfall, der jährlich 160.000 Menschen in Deutschland trifft und die wichtigste Ursache nicht angeborener Behinderungen ist. Solche Volkskrankheiten stellten das Krankenversicherungssystem vor große Herausforderungen. Es gelte, eine Balance zu wahren zwischen dem einfachen Zugang zu innovativen Behandlungsmethoden einerseits und der Bezahlbarkeit des Gesundheitswesens andererseits. Wie dies künftig geregelt werde, solle zusammen mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen geklärt werden, sagte Rösler. Gespräche liefen bereits. Das Institut ist für Kosten-Nutzen-Analysen zuständig, die unter anderem bei neuen Arzneimitteln klären sollen, ob sie den geforderten Preis wert sind. Für das Forschungsprogramm hat sich die Bundesregierung sechs „Aktionsfelder“ vorgenommen, darunter neben den Volkskrankheiten auch die „individualisierte Medizin“, die Präventions- und Ernährungsforschung, die Versorgungsforschung, die Gesundheitsforschung und die internationale Kooperation der Wissenschaftler. Zur Erforschung der Volkskrankheiten sollen sechs spezialisierten Zentren gegründet werden.