Wenn die Füße „schwimmen“

Foto: Pixabay

Rund jeder Dritte in Deutschland leidet unter Schweißfüßen. Fußpflege kann die Geruchsbildung verringern und Folgen mildern, sie wirkt aber nur bedingt der übermäßigen Schweißproduktion entgegen. Ein Einblick in Ursachen und Therapiemöglichkeiten von Ulrike Kossessa.


Wenn Julia (10, Name geändert) aus der Schule nach Hause kommt, stellt sie ihre Schuhe direkt auf die Terrasse – so unangenehm riecht es aus ihren Schuhen. Die Socken werden sofort in den Keller verbannt, die Füße gewaschen und in frische Baumwollsocken gesteckt. So geht’s. Wenn sie in der Schule beim Sportunterricht ihre Schuhe wechseln muss, rümpfen ihre Mitschüler schnell die Nase und gehen auf Abstand. Warum? Julia hat ausgeprägte Schweißfüße, vor allem die Stigmatisierung belastet sie psychisch sehr. Alles Waschen beseitigt zwar den momentanen Geruch, hilft aber nicht gegen das übermäßige Schwitzen und den ewigen Kreislauf. Schwitzen ist eine normale und sogar lebensnotwendige Funktion. Rund drei Millionen über den Körper verteilter Schweißdrüsen sondern ein wässriges Sekret ab, das verdunstet und für Kühlung sorgt. Bei durchschnittlichen Temperaturen geben die Drüsen täglich zirka einen halben Liter Schweiß ab. Sind die Außentemperaturen hoch, kommen Sport oder eine fieberhafte Erkrankung hinzu, läuft die körpereigene „Klima-anlage“ auf Hochtouren. Rund ein bis zwei Millionen aller Menschen in Deutschland schwitzen aber außergewöhnlich stark, auch dann, wenn dies für die Wärmeregulation nicht erforderlich ist. Sie reagieren schon auf kleinste Reize und aktivieren damit den Botenstoff Acetylcholin, der die Schweiß­absonderung über das vegetative Nervensystem steuert. Bei der örtlich begrenzten Variante (fokal) macht sich die Hyperhidrose zu 60 Prozent an den Handflächen oder Fußsohlen, zu 40 Pro­zent in den Achselhöhlen und zu 10 Prozent am Kopf (Stirn) bemerkbar.

Wer zuviel schwitzt
Übermäßiges Schwitzen – vor allem, wenn es den ganzen Körper betrifft – kann Folge einer inneren Erkrankung zum Beispiel der Schilddrüse, einer ­Infektion etc. sein. Ein vielen Frauen bekanntes Phänomen sind die Hitzewallungen in den Wechseljahren. Die Ursachen sind sowohl im organischen als auch im psychischen Bereich zu suchen. Unterschieden wird grundsätzlich zwischen einer primären und einer sekundären Hyperhidrose (griech. hypér „noch mehr, über, über ... hinaus“ und hidrós „Schweiß“). Die primäre Hyperhidrose ist angeboren und macht sich gerne zuerst in der Pubertät bemerkbar; sie begleitet den Betroffenen ein Leben lang. In den meisten Fällen ist leider keine genaue Ursache aufzuspüren. Häufig kommt es in Situationen, die mit Angst und Stress verbunden sind, zu einer starken, nicht willentlich zu kontrollierenden Schweißproduktion. Hier spricht man daher auch von emotionalem Schwitzen. Zudem können sich Nahrungsmittel (Gewürze, Kaffee), körperliche Anstrengung und Medikamente verstärkend auswirken. Mögliche Ursachen einer sekundären Hyperhidrose (als Begleitsymptom) sind innere Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Herzinsuffizienz, Infekte, aber auch Traumata, Ängste, Erregungen und Entzugssyndrome. Daher wird die sekundäre Hyperhidrose vor allem durch die Therapie der Grunderkrankung behandelt. Die meisten Menschen, die die Hilfe eines Hautarztes aufsuchen, leiden unter der primären, fokalen (lokalen) Hyperhidrose, die in der Regel symmetrisch unter den Achseln, Handflächen oder Fußsohlen auftritt. Fußsohlen und Handinnenflächen sind mit besonders vielen ekkrinen Schweißdrüsen besetzt, zirka 500 pro Quadratzentimeter. Diese dienen nicht der Thermoregulation, sondern der besseren Haftung der (nackten) Füße und Hände auf einer Unterlage. Das zeigt sich auch darin, dass das Schwitzen der Hände und Füße über sympathische Nervenfasern vermittelt wird und während des Schlafes nicht auftritt.

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