Deutsches Gesundheitssystem: Gutes Preis-/Leistungsverhältnis, aber mangelnde Spezialisierung

Deutschland besitzt eines der besten Gesundheitssysteme Europas. Zu diesem Ergebnis kommt der diesjährige Europa-Gesundheitskonsumenten-Index (EHCI), der in Brüssel veröffentlicht wurde. Bei der jährlichen Studie zu den EU-Gesundheitssystemen belegte Deutschland bei 33 Ländern den 6. Platz mit 787 von möglichen 1000 Punkten und damit denselben wie voriges Jahr. Die Niederlande führen die Rangliste zum zweiten Mal in Folge mit 875 Punkten an, gefolgt von Dänemark (819), Neueinsteiger Island (811) und Österreich (795).

Deutschland erzielt hohe Werte in Kategorien wie kurzen Wartezeiten auf Behandlung sowie Zugang zu Arzneimitteln. E-Health ist ein Bereich mit Schwächen für ein solches Hochtechnologieland. Im Index steht Deutschland hinter der Schweiz, jedoch vor Frankreich.

„Deutschland hat vermutlich das Gesundheitssystem mit den wenigsten Beschränkungen und der größten Verbraucherorientierung in Europa, das den Patienten ermöglicht, nahezu jede Art der Behandlung zu verlangen, wenn sie es wünschen“, stellt Dr. Arne Björnberg fest, Leiter des Europa-Gesundheitskonsumenten-Indexes. „Und dies zu durchaus durchschnittlichen Kosten in Westeuropa, was auf ein gutes Funktionieren des Systems hinweist.“

Die deutschen Behandlungsergebnisse stehen im europäischen Vergleich jedoch nicht an der absoluten Spitze, erwähnt Dr. Björnberg: „Dies liegt vermutlich an der hohen Anzahl eher kleinerer allgemeiner Krankenhäuser in Deutschland, die sich nicht spezialisieren.“

Die diesjährige Studie zeige, dass die Spitzengruppe der europäischen Gesundheitssysteme dazu übergehe, Gesundheitsinformationen und die Wahlfreiheit zu nutzen, um Patienten in die Entscheidungsfindung mit einzubeziehen und somit den Druck für Verbesserungen von unten aufzubauen. Am unteren Ende der Rangliste befinden sich viele Länder, die am alten Gesundheitssystem voller Hierarchien und mangelnder Transparenz festhalten.

Über den Index
Der EHCI vergleicht 33 nationale Gesundheitssysteme in Europa anhand von 38 Indikatoren, die sechs entscheidende Bereiche für die Nutzer abdecken: Patientenrechte und Patienteninformation, E-Health, Wartezeiten für eine Behandlung, Behandlungsergebnisse, Umfang und Reichweite der bereitgestellten Dienstleistungen und Zugang zu Arzneimitteln. Der Index wird durch Zusammenstellung von öffentlichen Statistiken, Patientenbefragungen und die Durchführung unabhängiger Studien der Gründer erstellt, der Denkfabrik Health Consumer Powerhouse mit Sitz in Brüssel. Der EHCI 2009 nimmt eine verbraucherbezogene Position ein und nutzt die Unterstützung der Europäischen Kommission – GD Informationsgesellschaft und Medien – sowie die Unterstützung der schwedischen EU-Präsidentschaft.