Bei Rückenschmerzen nicht passiv bleiben

Bei Rückenschmerzen werden zu häufig Bettruhe, Spritzen, Wärme- oder Kälteanwendungen als passive Therapiemaßnahmen verordnet. Das kritisiert die Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS) aufgrund einer Studie der Universitätsklinik Heidelberg. "Die besten Chancen auf schnelles Wohlbefinden haben Patienten, die ganz normal weiterleben, sich bewegen und in der schlimmen Phase höchstens kurzzeitig Schmerzmittel einnehmen", macht die DGSS deutlich. Die Heidelberger Forscher hatten 630 Rückenschmerzpatienten in orthopädischen Praxen befragt. Das Ergebnis: Neben Physiotherapie wurden vor allem Ruhe und Bettruhe sowie Spritzen verordnet, oft kombiniert mit einer Krankschreibung. „Diese Verordnungspraxis steht in deutlichem Widerspruch zu den aktuellen Therapieempfehlungen, die vor allem die Aufklärung des Patienten sowie die Ermunterung zu Bewegung beinhalten“, resümierten die Forscher. Als Gründe dafür nehmen die Autoren der Studie an, dass Ärzte zum einen noch alten Therapieempfehlungen nachhängen. Zum anderen hätte die Befragung auch gezeigt, dass Patienten subjektiv den Eindruck haben, Ruhe helfe am besten gegen ihre Schmerzen. Dass der subjektive Eindruck einer Schmerzlinderung durch passive Therapien nicht der Realität entspricht, zeigte die Befragung nach sechs Monaten. Bei 66 Prozent der Patienten, deren Schmerzen anfangs noch nicht chronisch gewesen waren, verschlechterte sich die Lage. Bei über der Hälfte der Patienten mit chronischen Rückenschmerzen änderte sich nichts an ihren Beschwerden, bei knapp 13 Prozent verschlechterten sie sich sogar. Nur ein Drittel profitierte von der Behandlung. Die Autoren der Studie empfehlen daher Fortbildungen für Ärzte und Informationen für die Bevölkerung - immerhin gehen 18 Milliarden Euro der gesellschaftlichen Kosten jedes Jahr auf das Konto von Rückenschmerzen.