Physiotherapeuten: Berufsausübung auch ohne ärztliche Verordnung

(30.3.09) Physiotherapeuten bedürfen auch für selbstständige Behandlungen in ihrem Berufsfeld keiner ärztlichen Verordnung, stellt der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in einem Urteil vom 19. März 2009 fest (Az.: 9 S 1413/08). „Dies ist der Durchbruch“, erklärt Ulrike Steinecke, Vorsitzende des Zentralverbandes der Physiotherapeuten (ZVK). Endlich werde die Qualität der Berufsausbildung der Physiotherapeuten und ihres therapeutischen Handelns anerkannt. Für die Physiotherapeuten ist es ein Erfolg, dass mit dieser Entscheidung erstmals klargestellt wird, dass sie auch ohne ärztliche Verschreibung in ihrem Tätigkeitsfeld physiotherapeutisch tätig werden können, ohne dabei gegen das Heilpraktikergesetz zu verstoßen. Der Verwaltungsgerichtshof ist der Auffassung, dass eine vorherige ärztliche Ver-schreibung nur im Leistungsrecht der gesetzlichen Krankenkassen, nicht aber im Be-rufsrecht der Physiotherapeuten erforderlich ist. Die selbstständige Behandlung durch einen Physiotherapeuten werde deshalb von den Krankenkassen nicht erstattet, sei aber zulässig. Entschließe sich demgemäß ein Patient, die Behandlung durch seinen Physiotherapeuten fortzusetzen, obwohl die von den Krankenkassen vorgesehene Budgetierung von zwei Therapiestaffeln bereits ausgeschöpft sei, könne er die Leistungen des Physiotherapeuten als Selbstzahler in Anspruch nehmen. Die Möglichkeit einer eigenständigen Heilpraktikererlaubnis für manuelle Therapie hat der Verwaltungsgerichtshof abgelehnt. Die Heilpraktikererlaubnis könne nur dann erteilt werden, wenn der Physiotherapeut die hierfür vorgeschriebene Prüfung erfolgreich abgelegt habe. Gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg kann innerhalb eines Monats Revision beim Bundesverwaltungsgericht (BVG) eingelegt werden.