Mechanismus des allergischen Kreislaufschocks entschlüsselt

Wissenschaftler der Universität Heidelberg haben neue Erkenntnisse über die molekularen Mechanismen des allergischen Kreislaufschocks gewonnen. Die Häufigkeit von anaphylaktischen Schocks hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Es handelt sich um eine akut lebensbedrohliche allergische Reaktion, die meist durch Arzneimittel, Insektengifte oder andere Allergene ausgelöst wird. Die Zufuhr des Allergens löst bei den Betroffenen die Freisetzung von Mediatoren im Blut aus. Sie bewirken, dass der Blutdruck abfällt, die Körpertemperatur sinkt und Herzrhythmusstörungen, Atembeschwerden sowie akute Reaktionen im Magen und Darm und an der Haut auftreten. Ihre Kombination führt zum lebensbedrohlichen Krankheitsbild des anaphylaktischen Schocks. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Aktivierung spezifischer Proteine in den Zellwänden von kleinen Blutgefäßen. Die Mediatoren, zum Beispiel Histamin, entfalten ihre Wirkung über sogenannte G-Protein-gekoppelte Rezeptoren, die sich auf diversen Körperzellen, unter anderem in den Blutgefäßwänden befinden. Sie lösen Signale in den Zellen aus, die wiederum Störungen und die typischen Symptome der anaphylaktischen Reaktion zur Folge haben. Die Ausschaltung der entsprechenden Gene bewahrt Mäuse vor den bisweilen tödlich verlaufenden Reaktionen des Immunsystems und Kreislaufs. Überraschend war die Erkenntnis, dass die selektive Aussschaltung der für die G-Proteine Gq und G11 kodierenden Gene in den Gefäßwandzellen zu einem Schutz der Tiere gegenüber schwersten anaphylaktischen Reaktionen führt. Nun könnten gezielt Substanzen entwickelt und getestet werden, die die auslösenden Mechanismen hemmen können, so die Wissenschaftler. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse im Journal of Experimental Medicine.