Korruption kostet Milliarden

(17.06.08) Die Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland e.V. hat Mitte Juni die aktualisierte Fassung des Grundsatzpapiers „Transparenzmängel, Korruption und Betrug im deutschen Gesundheitswesen. Kontrolle und Prävention als gesellschaftliche Aufgabe“ veröffentlicht. Transparency Deutschland kritisiert vor allem die unklare Vergabepraxis bei den Rabattverträgen der gesetzlichen Krankenkassen, den unzureichend regulierten Vertrieb von Arzneimitteln und deren Rohstoffen sowie die fehlende Transparenz in der Arbeit und die Abhängigkeiten von der Pharmaindustrie der Europäischen Zulassungsbehörde für Arzneimittel. Anke Martiny, Vorstandsmitglied von Transparency Deutschland: „Wir wollen alle vom Gesundheitswesen Betroffenen, also mindestens neunzig Prozent der Bevölkerung, auf die Dunkelzonen des Gesundheitssystems hinweisen, um Intransparenzen zu bekämpfen und Änderungen zu erzwingen. Deutschland ist Nr. 3 auf der Welt bei den Kosten des Gesundheitswesens; bei den Leistungen und ihren Ergebnissen für die Gesundheit der Bevölkerung rangieren wir aber nur im Mittelfeld unter den vergleichbaren Industrieländern.“ Anke Martiny: „Durch unwirtschaftliche, verschwenderische und unsaubere Praktiken gehen jedes Jahr Unsummen an Versichertengeldern verloren. Experten des European Healthcare Fraud and Corruption Network schätzen überall in Europa Verluste zwischen drei und zehn Prozent des Gesundheitsbudgets. Das wären in Deutschland Milliardensummen.“ Strukturell hat sich nichts daran geändert, dass das deutsche Gesundheitswesen durch die föderalistisch organisierte Gesundheitsadministration und durch die Verlagerung der Handlungs- und Kontrollmaßnahmen vom Staat auf die öffentlich-rechtlichen Körperschaften des Gesundheitswesens äußerst intransparent, kleinteilig interessengeleitet und damit korruptionsanfällig ist.