Frauen sind konsequenter

(21.4.08) Ob eine Ärztin oder ein Arzt sich um die Behandlung eines Diabetikers bemüht, macht in mancherlei Hinsicht einen deutlichen Unterschied. Dies zeigt eine Studie der Medizinischen Klinik II der Universität Köln an mehr als 50.000 Patientinnen und Patienten. Ob Blutzucker, Blutfette oder Blutdruck - die Behandlungsziele werden bei der Volkskrankheit Diabetes durch Leitlinien vorgegeben, an denen sich Ärzte und Patienten orientieren sollen. Und diese Leitlinien werden durch Ärztinnen konsequenter umgesetzt als durch ihre männlichen Berufskollegen. Über sechs Millionen Menschen in Deutschland leiden an Typ 2 Diabetes und ihre Zahl steigt ständig. Diabetiker haben ein stark erhöhtes Risiko an Herzinfarkten und anderen Komplikationen des Gefäßsystems zu erkranken und zu sterben. Eine möglichst gute Behandlung der Risikofaktoren, wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und erhöhten Blutzucker ist deshalb die wichtigste Maßnahme für die Prävention. "Dass das Patientengeschlecht eine Rolle bei der Versorgungsqualität spielen kann, war in der Medizin bereits bekannt - wobei Frauen häufig schlechter behandelt werden", sagte die Kölner Internistin und Oberärztin der Medizinischen Klinik II, Professor Ioanna Goubni-Berthold. "Wir waren aber überrascht, dass auch das Geschlecht der Ärzte einen Einfluss hat." Die Patienten von Ärztinnen, gleichgültig ob Männer oder Frauen, erreichen im Durchschnitt bessere Werte bei den Risikofaktoren Bluthochdruck und Cholesterin. Sie erhalten häufiger Diabetikerschulungen und kommen aber mit weniger Diabetesmedikamenten aus. Auch Selbstmessungen des Blutzuckers werden bei den Patienten von Ärztinnen seltener durchgeführt, aber ihr Blutzucker ist dennoch besser eingestellt. Die Gründe für die Unterschiede liegen möglicherweise darin, dass die Behandlung von Diabetikern eine kooperative ärztliche Betreuung erfordert. Besondere Kenntnisse in der Gesprächsführung und Motivationstechnik sind wichtig, damit die Patienten in einem partnerschaftlichen Arzt-Patienten-Verhältnis eine aktive Rolle bei der Behandlung ihrer Zuckerkrankheit erreichen. "Es ist nicht auszuschließen, dass die ärztliche Kunst bei der Behandlung von Diabetikern den Medizinerinnen besser gelingt als ihren männlichen Kollegen", sagte Gouni-Berthold. Die Studie wurde am 4. April 2008 in dem Fachblatt "Journal of Internal Medicine" veröffentlicht. (Quelle. Universität zu Köln)