Mit dem E-Bike zum Hausbesuch

Foto: Melanie Roithner/privat
Foto: Melanie Roithner/privat

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Für ihre Hausbesuche setzt Podologin Melanie Roithner seit Kurzem auf ein E-Bike, also ein Fahrrad mit Elektromotor. DER FUSS hat nachgefragt.

Frau Roithner, für Ihre Hausbesuche setzen Sie auf ein E-Bike. Wie lange nutzen Sie es schon und wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Für Hausbesuche nutze ich das E-Bike bereits seit rund acht Monaten. Auf die Idee gekommen bin ich tatsächlich erst, als ich das Fahrrad schon hatte. Gekauft hatte ich es mir zunächst, um zur Praxis und wieder nach Hause zu fahren. Als ich dann aber gemerkt habe, wie leicht und ohne Anstrengung man sich damit fortbewegen kann, habe ich begonnen, auch Hausbesuche damit zu machen.

Was sind aus Ihrer Sicht die Vorteile der Nutzung eines E-Bikes?
Was ich am meisten genieße, sind die kleinen Pausen an der frischen Luft – das belebt den Tag und gibt wieder neuen Schwung. Hinzu kommt: Dank des Elektromotors bedarf das Fahren auch fast keiner Anstrengung. Selbst wenn man einen Berg hochfährt, kommt man nicht erschöpft beim Patienten oder der Patientin an. Außerdem lässt sich das E-Bike natürlich auch nutzen, um Werbung zu machen. So kann man Rad selbst oder aber die Fahrradtaschen mit dem Praxislogo bedrucken lassen.

Gibt es auch Nachteile?
Ich würde es nicht unbedingt Nachteile nennen. Wenn man ein E-Bike nutzen möchte, muss man aber bereit sein, bestehende Abläufe anzupassen oder neu zu denken. Vor allem am Anfang benötigt man mehr Zeit, um seine Routen und Termine zu planen. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber daran, dass man umdenken muss. Was dabei hilft, ist eine lockere Zeitplanung. Eine Herausforderung ist außerdem der begrenzte Platz. Anders als beim Auto muss man für seine Hausbesuche alles auf ein Minimum reduzieren. Und ganz billig ist so ein E-Bike natürlich auch nicht.

Mit welchen Anschaffungskosten muss man rechnen?
Wie immer sind auch hier die Preise nach oben offen. 4.000 oder 5.000 Euro muss man aber meiner Ansicht nach nicht ausgeben. Auch ab 1.000 Euro bekommt man heute schon gute Modelle. Hinzukommen Taschen und ein guter Fahrradhelm. Ein zweiter Akku ist meiner Meinung nach nicht erforderlich. Mit einer Ladung kommt man sicher 200 Kilometer weit, das reicht aus. Wer nicht sicher ist, kann sich auch zunächst einmal ein E-Bike leasen. Nutzt man sein E-Bike für Hausbesuche, kann man es übrigens auch steuerlich absetzen.

Nutzen Sie ausschließlich das E-Bike oder setzen Sie auch noch auf ein Auto?
Zusätzlich zum E-Bike nutze ich auch weiterhin auf mein Auto – vor allem, wenn ich an meinen Hausbesuchstagen sehr viel zu tun habe und es schnell gehen muss.

Das Bike wähle ich bewusst, wenn ich es einmal ruhiger angehen will und einen entspannten Arbeitstag haben möchte. Denn so schnell wie mit dem Auto geht es natürlich auch mit einem Elektromotor nicht. Habe ich viel Zeitdruck und muss viel abarbeiten, ist das E-Bike nicht geeignet. Aktuell verwende ich es meist auf Sylt. Da habe ich nur wenige Hausbesuche. Und es macht ja auch Spaß, wenn man Freizeit und Arbeit verbindet.

Wie haben Sie das E-Bike ausgesucht?
Ich habe zunächst etwas recherchiert, da hat sich dann ergeben, dass man am besten ein Modell mit einem Riemenantrieb wählt, weil diese Antriebsform sehr langlebig und wartungsarm ist. Außerdem sollte es sich natürlich gut und sicher fahren lassen. Andere Anforderungen hatte ich eigentlich nicht. Ab und zu bin ich dann in unser Radgeschäft vor Ort gegangen. Durch Zufall stand dann eines Tages ein passendes Modell mit Riemenantrieb da. Es wurde erst am Tag zuvor geliefert. Ein wahrer Glücksfall!

Wie reagieren Ihre Patient*innen auf Ihr neues Transportmittel?
Viele meiner Patientinnen und Patienten waren sehr neugierig. Die Idee hat ihnen gefallen und ich habe viel positive Rückmeldung erhalten.

Der Platz auf dem E-Bike ist begrenzt. Foto: Melanie Roithner/privatSie hatten es bereits erwähnt: Ein E-Bike bietet nur begrenzten Platz. Wie gehen Sie damit um?
Der Platz ist wirklich sehr beschränkt, da haben Sie recht. Am Anfang lief es auch bei mir nicht ganz rund, da fehlte mir dann doch hin und wieder das eine oder andere Fläschchen. Aber da kommt man schnell rein.

Um den Platz so gut wie möglich auszunutzen, habe ich mir gleich zu Beginn einen Fahrradkorb für hinten und einen Rucksack angeschafft. Hier versuche ich aktuell alles unterzubringen. Zum Schutz für mein Fräsgerät habe ich eine kleine Schutzhülle genäht. Die Instrumente und was ich sonst noch brauche – also Handschuhe, Creme, Lotion und Desinfektionsmittel – verstaue ich in kleinen Blockboxen im Rucksack. Meine Fußstütze und einen kleinen Dreibeinhocker binde ich hinten am Fahrradkorb fest. Bald möchte ich mir auch noch eine Doppel-Fahrradtasche für den Gepäckträger für hinten anschaffen.

Was würden Sie Kolleg*innen raten, die sich auch auf ein E-Bike schwingen wollen? Sollten sie auf etwas Bestimmtes achten?
Ich würde mir immer ein E-Bike kaufen, dass ich persönlich gut finde und auch privat gerne nutzen würde – also nicht nur für Arbeitsweg und Hausbesuche, sondern vielleicht auch einmal für einen kleinen Ausflug. Bevor man sich ein E-Bike kauft, sollte man es außerdem einmal Probe fahren. Wichtig ist es auch, das Eigengewicht des Rads zu berücksichtigen. Mit bis zu 25 Kilogramm – ohne Gepäck – sind manche Modelle doch sehr schwer. Und vielleicht muss man es doch einmal über eine Treppenstufe oder ein anderes Hindernis heben.

Zum Üben mit dem E-Bike würde ich raten, erst einmal drei oder vier Hausbesuche einzuplanen, die ganz in der Nähe ist. So kann man sich herantasten und den neuen Ablauf verinnerlichen. So habe ich es auch gemacht.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Roithner!

 

Foto: Melanie Roithner/privat

 

 

Melanie Roithner ist selbstständige Podologin und Fachautorin. Seit 2015 ist sie mit einer kleinen Praxis im Hotel Plumbohms in Bad Harzburg selbstständig. Vor zwei Jahren hat sie zudem eine Zweitpraxis auf Sylt eröffnet. In ihren Praxen behandelt Melanie Roithner vor allem Privatpatient*innen mit eingewachsenen Nägeln – ihrem Spezialgebiet.

 

 

 

 

Autor: Cornelia Meier
Nach einem Abstecher in die Öffentlichkeitsarbeit leitet die gebürtige Augsburgerin seit Juli 2021 die Redaktion des Fachmagazins DER FUSS.
Cornelia Meier
Redakteurin
DER FUSS