DER FUSS Kolumne: Haben Sie Ihre „Zeitinsel“ gefunden?

Grafik: C. Maurer Fachmedien

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Stress? Welcher Stress? Ich habe doch keinen Stress! Alles ist gut. Von 7 Uhr bis 20 Uhr nonstop durcharbeiten? Ist auch kein Stress, mir macht meine Arbeit schließlich Spaß. Kennen Sie das?

„Na klar schiebe ich Sie noch dazwischen, Frau Müller! Kein Problem. Ob ich jetzt 27 oder 28 Patientinnen und Patienten am Tag behandle, macht doch keinen Unterschied. Auf einen mehr oder weniger kommt es nicht an.“

„Oh Herr Müller, Ihr Fuß schmerzt an der Wunde? Klar, ich komme gleich noch nach meinem letzten Behandlungstermin bei Ihnen vorbei und schaue mir das an. Bin dann gegen 21 Uhr bei Ihnen.“

„Die Abrechnung und die Buchführung kann ich am Samstag machen und am Sonntag arbeite ich die Dokumentation auf und schreibe die Therapieberichte und die Rechnungen. Dann kann ich auch eben die liegengebliebenen Rechnungen bezahlen und noch mal alles gründlich durchputzen.“

Und plötzlich … zack … wird einem der Boden unter den Füßen weggezogen: RTW – Krankenhaus – CT – Diagnose: Schlaganfall. Anschließend Krankenhaus und Reha,
8 Wochen außer Gefecht gesetzt. Und was ist mit der Praxis?

Irgendwie funktioniert es dann – auch ohne dich – dank eines wunderbaren Teams.

Zurück in der Praxis: Du hältst dich an alles, nimmst dir Zeit, baust Mittagspausen ein und änderst die Sprechzeiten. Außerdem arbeitest du konsequent an deinem Sprachfehler und lernst endlich „Nein“ zu sagen.

So geht es ein Jahr gut, vielleicht sogar zwei. Dann schleicht sich der Sprachfehler ganz langsam wieder ein. Das so dringend notwendige „Nein“ kommt immer seltener über die Lippen. Da wird wieder gemacht und getan – bis schlussendlich beinahe wieder alles so ist, als wäre nie etwas gewesen. Und nun?

Natürlich muss jeder von seiner Arbeit leben und auch für das Alter vorsorgen, ohne Frage. Aber was verliere ich, wenn ich die Preise anhebe? Vielleicht ein paar Patientinnen und Patienten weniger, aber ist die Zeit, die ich dadurch gewinne, nicht viel mehr wert?

Zeitinseln schaffen, das bedeutet, uns bewusst Zeiten nehmen, in denen wir nur Dinge tun, die uns guttun. Kleine Ausreißer aus dem Alltag, in denen wir Kraft schöpfen und unseren Akku aufladen können.

Zeitinseln können sehr unterschiedlich sein: Der eine läuft, die andere malt. Ganz egal. Hauptsache, man tut sich damit selbst etwas Gutes.

Meine Zeitinseln heißen „Enkelkinder“. Sie sind nicht nur meine Zeitinseln, sondern auch in der Lage, das kleine Glück zu finden. Die Kleinigkeiten am Wegesrand. Mit ihnen in der Natur zu sein und schauen, welcher Käfer unter dem Blatt wohnt und was passiert, wenn die Schnecken in ein Glas kommen. Mit ihnen zusammen den Wind im Gesicht spüren und mit den fliegenden Blättern um die Wette laufen.

Viel öfter sollten wir einmal innehalten und auch die kleinen Momente des Glücks spüren. Damit wir Kraft sammeln und uns wieder um das Wesentliche kümmern können.

Freude am Job ist vor allem eine Frage von Einstellung und Achtsamkeit. Leider führt der Druck, den wir tagtäglich in unserem Job erleben, häufig zu Zerstreuung, Stress und eben körperliche Anspannung. Achtsamkeit – oder englisch Mindfulness – ist ein erprobtes Gegengift. Gemeint ist damit allerdings nicht, dass man darauf achten soll, was man so alles tut, sondern vielmehr, was man im Augenblick gerade so tut. Dahinter steckt kein esoterisches Blabla, sondern vielmehr eine Methode, die eigene Wahrnehmung zu fokussieren. Probieren Sie es doch während der kommenden Weihnachtszeit einfach einmal aus und seien Sie achtsam gegenüber sich selbst. Das sind wir alle uns schuldig.

In diesem Sinne,
Glückauf und bleibt gesund!
Beate Eickmann

 

Foto: Beate Eickmann

Über die Autorin

Beate Eickmann, ist seit 2011 mit ihrer podologischen Praxis selbstständig. Seit 2015 Heilpraktikerin (Podologie) und seit 2016 Gutachterin im Sozial- und Gesundheitswesen, Bereich Podologie. Seit 2019 ist sie Vorsitzende der AG Wissenschaft bei podo deutschland