Aktion „5-Euro-Haus“: Kleine Spende, große Wirkung

Foto: Anna Poh

Auch Monate nach der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal leiden die Menschen vor Ort noch immer unter den direkten und indirekten Folgen der dramatischen Ereignisse. Viele Gebäude sind weder bewohn- noch benutzbar. Aus diesem Grund ist Christine Kreß, Podologin aus Aschaffenburg, im Rahmen der Aktion „5-Euro-Haus“ Hauspatin für eine betroffene Familie im Ahrtal geworden.

Ausschlaggebend für das Engagement von Christine Kreß, die in Aschaffenburg eine podologische Praxis betreibt, war ein Eintrag über ein betroffenes Kollegenpaar aus Bad Neuenahr/Ahrweiler in einer Facebook-Gruppe. „Das war ganz kurz nach der Sturzflut. Als ich die Bilder von der zerstörten Praxis von Andy und Sandra Steffes sah, war mir sofort klar, dass ich irgendwie helfen muss“, erzählt Christine Kreß. Kurzentschlossen nahm sie Kontakt zur Familie Steffes – Vater Andy, Mutter Sandra und deren dreijährigen Sohn Nico – auf, die seit 2000 eine Podologie-Praxis mit vier Angestellten in Ahrweiler betreibt.

Die Flut am 14. Juli zerstörte nicht nur die Praxisräume. Durch die Wassermassen ist auch die an die Praxis angrenzende Wohnung zerstört worden. Familie Steffes hatte das angebaute Haus der Tante erst vor Kurzem dazugekauft und einen Durchbruch geschaffen, um daraus eine kleine Wohnung zu machen, in der später die Eltern von Sandra wohnen könnten. Vorerst war sie dazu gedacht, dass Sandra, die die Praxisorganisation übernommen hatte, ihr Kind im hinteren Teil betreuen kann.

Der obere Stock des Hauses ist von der Flut nicht betroffen. Es befindet sich dort eine Küche und zwei Schlafräume, in denen seit Wochen Fluthelfer und Handwerker untergebracht sind.

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Kurzentschlossene Hilfe vor Ort

„Nachdem ich das ganze Drama ihrer Geschichte gehört hatte, gab es für mich nur einen Weg“, erzählt Kreß weiter. „Ich beschloss ins Ahrtal zu fahren und der Familie eine Woche lang vor Ort zu helfen.“ Begleitet von ihrer Cousine und zusammen mit weiteren Helferinnen und Helfern räumte Christine Kreß im September im Haus der Familie auf. „Gemeinsam ist es uns außerdem gelungen, das Haus so weit zu reinigen, dass die Handwerker anfangen konnten, erste Arbeiten wie Elektrik und Estrich zu erledigen.“

Wie soll es weitergehen?

Wieder zu Hause angekommen, suchte die Podologin nach weiteren Möglichkeiten, der Familie unter die Arme zu greifen. „Da ich im Netz bereits viel über die Aktion ‚5-Euro-Haus‘, ein Hilfsprojekt für den Wiederaufbau im Ahrtal, gelesen und auch schon einige Medienberichte gesehen hatte, nahm ich Kontakt mit dem Projektinitiator Jörg Burkhardt auf“, berichtet Christine Kreß. Die Idee habe sie sofort überzeugt.

Das Hilfsprojekt „5-Euro-Haus“ will die Betroffenen der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal beim Wiederaufbau ihrer zerstörten Häuser unterstützen. Dabei handelt es sich um ein Patenschaftsprojekt: Jede Patin beziehungsweise jeder Pate mobilisiert dabei sein Netzwerk und versucht Menschen zu finden, die bereit sind, über einen längeren Zeitraum hinweg monatlich einen kleinen Geldbetrag zu spenden. In der Regel liegt der Spendenbeitrag bei 5 Euro.

Beim Wiederaufbau helfen – ohne Umwege

„Mir hat der Grundgedanke der Aktion von Jörg Burkhardt gleich von Anfang an gefallen“, sagt Kreß. „Die meisten von uns können es gut verschmerzen, wenn ihnen im Monat 5 Euro auf dem Konto fehlen, aber wenn die betroffenen Familien monatlich 5 Euro von vielen Unterstützerinnen und Unterstützern bekommen, dann ist das für sie eine unglaublich große Hilfe. Für mich war es natürlich eine Ehrensache, die Patenschaft für die Familie Steffes zu übernehmen.“ Seither bemüht sich Christine Kreß darum, möglichst viele Spenderinnen und Spender zu finden, die monatlich regelmäßig 5 Euro spenden, und die sie auch regelmäßig über den Fortschritt des Projektes informiert.

„Der Betrag fällt für die oder den Einzelnen nicht ins Gewicht, den Betroffenen können wir damit aber eine große Last von den Schultern nehmen,“ betont Christine Kreß, die bisher schon einige Personen finden konnte, die sich für die gute Sache stark machen. Ihr ist es wichtig, dass das Geld direkt bei den Betroffenen ankommt.

Seit 1. Oktober praktiziert Andy Steffes in einem Container in der „Ahrche“, einem Anlaufpunkt für flutgeschädigte Bewohner und Helfer. Durch den Wegzug vieler Senioren und Betroffener, haben sich seine Einnahmen auf 40 Prozent reduziert. Er arbeitet dort drei bis vier halbe Tage in der Woche. Den Rest verbringt er auf seiner Baustelle – sogar sonntags. Seine Frau Sandra kümmert sich währenddessen um die Organisation der Helfer und der Notpraxis in der Grafschaft, die einmal in der Woche geöffnet hat. Nebenbei passt sie auf den dreijährigen Nico auf.

Unterstützung gesucht

Der Sinnspruch „Kein Mensch kann dem anderen die ganze Last abnehmen, aber er kann tragen helfen“ ist für Christine Kreß und viele andere Unterstützer der Aktion „5-Euro-Haus“ mittlerweile zu einem festen Motto geworden.

 

Wer sich für die Familie Steffes und ihre Geschichte beziehungsweise die der weiteren betroffenen Familien interessiert oder sogar eine Patenschaft übernehmen möchte, kann sich auf joerg-burghardt.de/5-euro-haus informieren.

 

Autor: Cornelia Meier
Nach einem Abstecher in die Öffentlichkeitsarbeit leitet die gebürtige Augsburgerin seit Juli 2021 die Redaktion des Fachmagazins DER FUSS.
Cornelia Meier
Redakteurin
DER FUSS