„Ich wünsche mir einen Vertrag auf Augenhöhe“

Porträtfoto Claudia Scholz
Claudia Scholz ist seit 2007 als Podologin tätig. Foto: Podologische Praxis Claudia Scholz

Am 30. September endet die Frist für die Abgabe der Anerkenntniserklärung für den neuen bundeseinheitlichen Vertrag nach § 125 Abs. 1. Viele Podologinnen und Podologen haben den Vertrag noch nicht abgegeben oder sich bewusst gegen die Anerkennung entschieden. Was sind mögliche Gründe dafür? Wir haben mit der Leipziger Podologin Claudia Scholz gesprochen.

Frau Scholz, bitte stellen Sie sich uns doch kurz vor.
Ich bin 55 Jahre alt und führe seit 2008 eine podologische Einzelpraxis in Leipzig. Als Podologin bin ich seit 2007 tätig, zuvor war ich in der Fußpflege beschäftigt.

Am 30. September endet die Frist für die Einsendung der Anerkenntniserklärung für den neuen bundeseinheitlichen Versorgungsvertrag. Haben Sie Ihre Erklärung bereits abgeben?
Ich habe die Anerkenntniserklärung zwar abgegeben, hätte es aber nicht tun müssen, da ich mich dazu entschlossen habe, meine Kassenzulassung zum Jahresende abzugeben. Zwölf Jahre sind genug. Künftig werde ich nur noch Selbstzahlerinnen und Selbstzahler behandeln.

Viele Podologinnen und Podologen, die ich kenne, sind von dem neuen Vertrag nicht überzeugt. Was sie und mich stört, ist unter anderem, dass der neue Vertrag sehr unflexibel ist und nur wenig auf die Bedürfnisse des Einzelnen eingeht.

Haben Sie ein Beispiel für uns?
Aber sicher. Aufgrund einer schwerwiegenden Erkrankung ist mir seit zwei Jahren nicht mehr möglich, Hausbesuche zu machen. Also habe ich versucht, den Versorgungsvertrag ohne Hausbesuche anzuerkennen. Kein Problem, sollte man meinen, aber weit gefehlt. Bis eine Einigung gefunden wurde, hat es sage und schreibe drei Monate sowie mehrere Atteste und ärztliche Gutachten gebraucht. Das war nicht nur ärgerlich, sondern auch anstrengend. Eine solche Ausnahme war schlicht nicht vorgesehen.

Hinzu kommt außerdem, dass Hausbesuche aus meiner Sicht auch mit dem neuen Vertrag nicht wirklich lukrativ sind. Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Verdienst. Wenn ich die An- und Abfahrt mitrechne, könnte ich in der Zeit, die ich für einen Hausbesuch aufwende, in meiner Praxis zwei Patienten behandeln. Das rechnet sich doch nicht.

Sehen Sie noch andere Schwierigkeiten?
Das Hauptproblem ist für mich, dass das gesamte Risiko, was Rezepte anbelangt, von den Krankenkassen auf uns abgewälzt wurde. Egal ob es um Überprüfung der Rezepte oder die Frequenz geht – die Verantwortung liegt bei uns. Es ist auch nicht so, dass die Krankenkassen, wie man oft hört, immer spätestens nach 21 Tagen bezahlen. Das berichten mir auch Kolleginnen und Kollegen. Gerade für Einzelunternehmerinnen wie mich kann das mitunter existenzgefährdend sein.

Und dann sind da noch die All-inclusive-Preise, von denen ich alles bezahlen soll – das Mobiliar, die Praxismiete, das Telefon, die Instrumente und mein Gehalt. Hinzu kommen die steigenden Preise, etwa im Bereich Hygiene. Bei Preissteigerungen um bis zu 90 Prozent muss man sich schon fragen: Was bleibt denn da effektiv übrig? Viele von uns sind zudem enttäuscht, dass in den neuen Versorgungsvertrag generell nur wenig von dem eingeflossen ist, was die Podologinnen und Podologen gefordert haben.

Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?
Was ich mir wünsche, ist ein Vertrag auf Augenhöhe, der Krankenkassen und Therapeuten gleichberechtigt behandelt. Angebracht wäre auch eine realistischere Betrachtung und Kommunikation seitens der maßgeblichen Berufsverbände. Es ist einfach nicht alles so rosig, wie es uns erzählt wird. Da würde ich mir mehr Offenheit wünschen. Ich habe das Gefühl, dass sie oft sehr weit weg von uns agieren. Meiner Meinung nach sollten auch mehr Personen aus der Basis an den Gesprächen beteiligt werden, damit mehr Perspektiven Berücksichtigung finden.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Scholz.

 

Autor: Cornelia Meier
Nach einem Abstecher in die Öffentlichkeitsarbeit leitet die gebürtige Augsburgerin seit Juli 2021 die Redaktion des Fachmagazins DER FUSS.
Cornelia Meier
Redakteurin
DER FUSS