Social-Distancing-Maßnahmen haben COVID-19 in Deutschland effektiv eingedämmt

Schaufenster, in dem man eine Tafel sieht, auf der das Wort "Geschlossen" steht.
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Frühe Kontaktbeschränkungen und Schulschließungen im Frühjahr 2020 haben innerhalb von drei Wochen über 80 Prozent der COVID-Infektionen und über 60 Prozent der Todesfälle in Deutschland verhindert. Das zeigt eine Studie der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln und der Johannes Kepler Universität Linz.

Im Frühjahr 2020 breitete sich die COVID-19-Pandemie schnell in Europa aus. Nach anfänglichem Zögern beschlossen die Bundesregierung und die Ministerpräsidentenkonferenz Mitte März in kurzer Folge eine Reihe von Maßnahmen zur Beschränkung sozialer Kontakte, darunter die Schließung von Schulen, Kindergärten und Geschäften. Auch private Treffen von Personen aus verschiedenen Haushalten wurden weitgehend verboten. Die deutsche Politik setzte damit schnelle und weitreichende Kontaktbeschränkungen um. In der Frühphase der ersten Welle wurde noch keine Maskenpflicht eingeführt. Es standen weder Impfungen noch Schnelltests zur Verfügung. Innerhalb weniger Wochen nahmen die Ansteckungen mit COVID-19 in Deutschland stark ab, bis die Kontaktbegrenzungen ab dem 20. April 2020 wieder allmählich gelockert wurden.

Trotz der schnellen Abnahme der Infektionen in Deutschland wurde die Wirksamkeit der Kontaktbeschränkungen sowohl in der Öffentlichkeit als auch in Fachkreisen immer wieder bezweifelt. Insbesondere wurde argumentiert, dass die Ausbreitung auch ohne Maßnahmen durch automatische Verhaltensänderungen der Bürgerinnen und Bürger gebremst worden wäre.

Schwächere Eindämmung bei Menschen über 60

Um diese kontroverse Frage zu beantworten, schätzte das Forscherteam um Juniorprofessor Dr. Emanuel Hansen von der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln den kausalen Effekt der politischen Maßnahmen mit Hilfe detaillierter Zahlen des Robert Koch-Instituts sowie anonymisierter Bewegungsdaten von privaten Mobilfunkanbietern aus den über 400 deutschen Kreisen. Dabei machten sich die Forschenden eine Schätzmethode zunutze.

Im ersten Schritt stellten sie mit Hilfe der Mobilfunkdaten fest, dass die politischen Maßnahmen die räumlichen Bewegungen der Menschen wie gewünscht um durchschnittlich 30 Prozent reduzierten. Im zweiten Schritt fanden sie Evidenz für eine effektive Eindämmung des pandemischen Geschehens: Schon innerhalb der ersten drei Wochen konnten durch die Kontaktbeschränkungen in Deutschland über 80 Prozent der COVID-Infektionen und über 60 Prozent der entsprechenden Todesfälle vermieden werden, die es ohne die Maßnahmen gegeben hätte.

Weitere Analysen zeigen, dass die Kontaktbeschränkungen das Infektionsgeschehen in allen Gruppen der Bevölkerung stark gebremst haben. Dabei konnte allerdings in der Altersgruppe über 60 Jahren nur eine etwas schwächere Eindämmung erreicht werden als bei jüngeren Menschen. Die Autoren vermuten, dass insbesondere die Schließungen von Kitas und Schulen einen direkteren und stärkeren Effekt auf Kinder und deren Eltern hatten als auf die Generation der Großeltern.

„Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass die frühen Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie in Deutschland erfolgreich waren – entgegen wiederholter anderslautender Behauptungen in Teilen der Öffentlichkeit“, sagt Hansen. „Ohne diese Kontaktbeschränkungen wäre es wohl auch in Deutschland – wie in anderen europäischen Ländern – zu einer Überlastung des Gesundheitssystems gekommen.“

Originalpublikation
U. Glogowsky, E. Hansen & S. Schächtele (2021): „How effective are social distancing policies? Evidence on the fight against COVID-19.“ PLoS ONE 16(9): e0257363. doi.org/10.1371/journal.pone.0257363

Quelle: Universität zu Köln | Cornelia Meier