Druckverteilungsmessung in der Diabetesversorgung

Die Referenzmessung soll nach Möglichkeit im Schuh des Patienten und in einem Neutral­schuh durchgeführt werden. Foto: Stumpf

Empfehlungen des Beratungsausschusses der DGOOC für das Orthopädieschuhtechnikhandwerk und der Expertengruppe DVM zur praktischen Umsetzung der elektronischen Druckverteilungsmessung bei der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Diabetischem Fußsyndrom nach der PG 31.

Patienten mit Diabetischem Fußsyndrom (DFS) sind Hochrisikopatienten für die Entwicklung von Ulzerationen am Fuß beziehungsweise Ulkus-gefährdeten Fuß- und Zehenfehlstellungen. In der Folge kommt es noch zu häufig zu Amputationen. Ziel aller Behandler muss es sein, durch Stadien-adaptierte, klar definierte Maßnahmen die Zahl der Diabetes-bedingten Amputationen weiter zu reduzieren. Hierzu hat der Beratungsausschuss der DGOOC für das Orthopädieschuhtechnikhandwerk in Zusammenarbeit mit der AG Fuß der DDG und dem ZVOS ein System der Risikoklassifizierung beim DFS verabschiedet.

In der aktuellen Fortschreibung der PG 31 (vom 10.09.2018) wurde die „Messung der erzeugten Druckreduktion“ als Maßnahme zur Qualitätssicherung auf einer formalen Ebene verbindlich festgelegt. Verbunden mit der Integration der Pedografie (elektronische Druckverteilungsmessung) besteht aber auch die Forderung vonseiten des GKV-Spitzenverbandes, eine allgemein verbindliche Richtlinie für die Rahmenbedingungen, Durchführung und Dokumentation der Pedografie zu erarbeiten.

Die Empfehlung wurde seitens des Beratungsausschusses der DGOOC für das Fach Orthopädieschuhtechnik und einer externen Expertengruppe aus Biomechanikern und Technikern erstellt. Ziel war es, eine in der Praxis realisierbare Durchführung der Pedografie zu erarbeiten, die zu einem patientenrelevanten Nutzen (Erstulkus und Rezidivvermeidung) beiträgt.

Rahmenbedingungen

  • Messsysteme: Das Messsystem muss ein CE-zertifiziertes Innenschuhdruckmesssohlensystem sein. Die Flächenauflösung der Messsohlen muss eine entsprechende Sensordichte (mind. 1 Sensor/cm²) besitzen.
  • Messstrecke: Die Messung muss auf einer mindestens 6 m langen, ebenen und geraden Messstrecke erfolgen.
  • Datenformat zum Datenaustausch: Bereitstellung der Ergebnisse in einem einheitlichen Datenformat.
    Notwendige Qualifikation: Voraussetzung für Versorgungen und Druckmessungen sollte eine erfolgreiche Teilnahme am Qualifizierungsseminar Pedografie des ZVOS sein.

Durchführung der Messungen und Auswertungen

  • Durchführung der Messung: Es muss eine Referenzmessung durchgeführt werden. Dabei ist zwischen Erstversorgung und Folgeversorgung zu unterscheiden.
  • Empfehlung für die Erstversorgung: Referenzmessung im Neutral- und im Patientenschuh.
  • Empfehlung für die Folgeversorgung: Bei der Folgeversorgung wird die Referenzmessung in der Vorversorgung vorgenommen.
  • Kalibrierung des Messsystems: Einhaltung der vorgeschriebenen Kalibrierungs- und Wartungsintervalle.
  • Ganggeschwindigkeit: Die Ganggeschwindigkeit sollte überprüft und ein Ganggeschwindigkeitsunterschied von max. +/- 10 Prozent nicht überschritten werden.
  • Anzahl der Schritte: Aufnahme von 10 auswertbaren Schritten pro Seite mit möglichst gleichbleibender Ganggeschwindigkeit.
  • Kontrollparameter: Bevor die Messung ausgewertet wird, sollte immer eine Plausibilitätsprüfung anhand des Kraft-Zeit-Verlaufs erfolgen.
  • Auswertebereich: Definition von Benutzermasken für die Region of Interest (ROI). Diese Masken müssen mindestens 10 cm² groß sein. Im Zehenbereich sind die einzelnen Zehen getrennt zu berücksichtigen.
  • Auswerteparameter: Relativer Druckreduktionswert der Versorgungsmessung gegenüber der Referenzmessung. Darstellung der Standardabweichung.
  • Dokumentation: Dokumentation des gesamten Prozesses inklusive der Parameter und Messergebnisse.

Ziele

Die Druckentlastung sollte mit der Erstversorgung in Relation zum Neutralschuh zwischen 30 und 50 Prozent und dem Patientenschuh mindestens 30 Prozent betragen. Erreicht werden soll mindestens eines der beiden Entlastungskriterien. Die Ergebnisse dürfen nicht im Widerspruch zueinanderstehen.

  • Re-Evaluationsprozess: Wenn mindestens ein Zielwert nicht erreicht wird, muss eine Revision der Versorgung erfolgen.

Der ausführliche Beitrag mit Erläuterungen und Hintergrundinformationen ist im Fachmagazin „Orthopädieschuhtechnik“ (04/2021) erschienen. Lesen Sie ihn online unter ostechnik.de/druck.

Autor: Cornelia Meier
Nach einem Abstecher in die Öffentlichkeitsarbeit leitet die gebürtige Augsburgerin seit Juli 2021 die Redaktion des Fachmagazins DER FUSS.
Cornelia Meier
Redakteurin
DER FUSS