In Kürze: Neues aus der Diabetesforschung

Aktuelle Ergebnisse aus der Diabetesforschung  – kurz zusammengefasst. 

Foto: Ivelin_Radkov/AdobeStockDiabetesversorgung in Deutschland: Betroffene sind nur mittelmäßig zufrieden

Diabetiker und Diabetikerinnen in Deutschland bewerten ihre Versorgung nur mittelmäßig. Das geht aus einer Analyse hervor, die im Rahmen der bundesweiten Studie „Krankheitswissen und Informationsbedarfe – Diabetes mellitus“ durchgeführt wurde. Die Forschenden untersuchten dabei die selbsteingeschätzte Versorgungsqualität bei Menschen mit diagnostiziertem Diabetes. Auf einer Skala zwischen 1 und 5 lag danach die Gesamteinschätzung der Versorgungsqualität im Mittel bei 2,45, wobei „5“ der höchsten und „1“ der geringsten Zufriedenheit entspricht.

Frauen bewerteten die Qualität dabei mit 2,33 schlechter als Männer (2,58). Schlechter schätzten auch Betroffene mit höherem Alter die Versorgungsqualität ein. Die Größe des Wohnorts scheint ebenfalls eine Rolle zu spielen: So schätzen Betroffene, die in einer Großstadt leben, die Versorgung schlechter ein als Betroffene aus ländlichen Gebieten oder Kleinstädten.

Jens Baumert et al.: Selbsteingeschätzte Versorgungsqualität bei Erwachsenen mit diagnostiziertem Diabetes in Deutschland. Journal of Health Monitoring. DOI: http://dx.doi.org/10.25646/8328

 

Prädiabetes: Sechs Subtypen identifiziert

Seit 1980 hat sich die Zahl der Menschen mit Diabetes vervierfacht. Doch Typ-2-Diabetes entwickelt sich nicht plötzlich. Oft durchlaufen die Menschen eine längere Vorstufe, in der die Blutzuckerwerte bereits erhöht, sie aber noch nicht krank sind. Bei Menschen mit Prädiabetes haben Forschende aus Tübingen nun sechs Subtypen mit unterschiedlichem Diabetes-Risiko entdeckt. Sie unterscheiden sich – wie beim manifesten Diabetes – durch Blutzuckerhöhe, Insulinwirkung und -ausschüttung, Körperfettverteilung, Leberfett sowie genetischem Risiko.

Drei der Gruppen zeichnen sich durch ein niedriges Diabetes-Risiko aus: Sie sind gesund; einer Gruppe gehören schlanke Menschen an. Diese haben ein besonders niedriges Risiko, an Komplikationen zu erkranken. Den vierten Subtyp bilden übergewichtige Menschen mit relativ gesundem Stoffwechsel.

Die übrigen Gruppen gehen mit einem erhöhten Risiko für Diabetes einher. Menschen, die dem Subtyp 3 angehören, bilden zu wenig Insulin und haben ein hohes Risiko, an Diabetes zu erkranken. Menschen aus dem Subtyp 5 weisen eine ausgeprägte Fettleber und ein sehr großes Diabetes-Risiko auf, weil ihr Körper resistent gegen die Wirkung von Insulin ist. Bei der sechsten Gruppe treten bereits vor einer Diabetes-Diagnose Schädigungen der Niere auf. Die differenzierte Einteilung soll es künftig ermöglichen, eine an die Krankheitsentstehung angepasste Prävention und Therapie zu betreiben.

Robert Wagner et al.: Pathophysiology-based subphenotyping of individuals at elevated risk for type 2 diabetes. Nature Medicine. DOI: https://doi.org/10.1101/2020.10.12.20210062

 

Foto: TATIANA/AdobeStockÜbergewicht und Diabetesrisiko: Unterschiede je nach Weltregion

Ab wann Übergewicht mit einem erhöhten Diabetesrisiko einhergeht, ist nicht überall gleich: Insbesondere Länder des globalen Südens unterscheiden sich teils deutlich von den Industrienationen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung von Gesundheitsdaten aus 57 Ländern, die Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) und des Massachusetts General Hospital (MGH) durchführten. „Gerade in Ländern mit begrenzten Ressourcen können anhand der Daten Personen mit erhöhtem Diabetesrisiko nun gezielter als bisher angesprochen werden“, sagt Felix Teufel, Doktorand am Heidelberger Institut für Global Health (HIGH) am UKHD. Nicht nur in den Industrienationen steigt die Zahl der Übergewichtigen. Auch in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Durchschnittseinkommen kam es zu einer Zunahme – begleitet von einem Anstieg der Erkrankungen an Diabetes Typ 2.

Empfohlen werden Vorsorgeuntersuchungen bei Personen ab 40 Jahren mit einem Body-Maß-Index (BMI) ab 25 kg/m2. Diese Schwelle könnte jedoch in einigen Regionen in zweierlei Hinsicht zu hoch angesetzt sein: Im Durchschnitt hatten Einwohner der untersuchten Länder bereits ab einem BMI von 23 kg/m2 ein erhöhtes Diabetesrisiko. Außerdem stieg die Erkrankungsrate bereits in der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen stark an; bei Männern aus Ländern südlich der Sahara sogar schon ab 25 Jahren.

Felix Teufel et al.: Body-mass-index and diabetes risk in 57 low-income and middle-income countries: a cross-sectional study of nationally representative, individual-level data in 685 616 adults. The Lancet. DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(21)00844-8

 

Autor: Cornelia Meier
Nach einem Abstecher in die Öffentlichkeitsarbeit leitet die gebürtige Augsburgerin seit Juli 2021 die Redaktion des Fachmagazins DER FUSS.
Cornelia Meier
Redakteurin
DER FUSS