Betriebskrankenkassen: Hautkrebsscreening ab 35 ist zu spät

(29. 11. 2007) Das flächendeckende Hautkrebsscreening ab 35 Jahren für alle Versicherten haben die bayerischen Betriebskrankenkassen kritisiert. Grundsätzlich sei es richtig, Hautkrebsvorsorge in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufzunehmen. Allerdings zeigten die bisherigen Erkenntnisse eines BKK-Modellvorhabens, dass es sinnvoller sei, die Vorsorgeleistung auf Risikogruppen einzugrenzen und auch jüngeren Versicherten die Vorsorge zu ermöglichen.

„Außerdem entspricht es nicht der Komplexität des Krankheitsbildes, dass die Vorsorgeuntersuchung nicht nur von Hautärzten sondern nach einer achtstündigen Fortbildung auch von Allgemeinärzten, Internisten, Praktischen Ärzten und Ärzten ohne Gebietsbezeichnung durchgeführt werden kann“, sagte Gerhard Schulte, Vorstandsvorsitzender des BKK Landesverbandes Bayern, Ende November in München.


Schulte bezog sich bei seiner Kritik auf das BKK Modellvorhaben Hautkrebsscreening: Bei annähernd 9.200 von rund 92.000 Versicherten, stellten Ärzte dabei verdächtige Hautveränderungen fest. Rund 40 Prozent aller Patienten mit Melanomverdacht waren unter 30 Jahren waren. 20 Prozent der histologisch bestätigten Melanome wurden bei unter 35-Jährigen gefunden. Nach Ansicht der BKK ist die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) vorgegebene Altersgrenze von 35 Jahren daher deutlich zu hoch.


Außerdem sind laut der Studie nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichmäßig von Hautkrebs betroffen: 85 Prozent aller melanomverdächtigen Veränderungen traten bei Versicherten mit besonderen Risiken auf, zum Beispiel zahlreichen Muttermalen, Hautkrebs in der Familiengeschichte, Muttermalveränderungen und anderen. „Es wäre wünschenswert, wenn die Entscheidungsträger den Beschluss des G-BA angesichts dieser Erkenntnisse überdenken. Die Leistung soll erst zum 1. Juli 2008 wirksam werden und die Beanstandungsfrist des Bundesgesundheitsministeriums läuft noch fast drei Wochen. Noch wäre also Zeit, den G-BA-Beschluss mit den Erkenntnissen aus der BKK-Hautkrebsstudie zu verbessern“, sagte Schulte. (Quelle: aerzteblatt.de)