Podologie-Ausbildung: Wie steht es um die Schulgeldfreiheit?

Foto: Gerhard Seybert/Adobe Stock
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Noch ist die Podologieausbildung nicht in allen Bundesländern schulgeldfrei. Ein Bericht über den aktuellen Stand der Dinge.

Von der Arbeit von Podologinnen und Podologen profitieren Menschen jeden Alters. Schließlich behandeln sie nicht nur von Schädigungen bedrohte und bereits geschädigte Füße, sondern kümmern sich auch um die präventive, therapeutische und/oder rehabilitative Behandlung des gesunden Fußes. Allein 2020 wurden 1,8 Millionen podologische Leistungen mit zusammen 7,1 Millionen Behandlungssitzungen von den GKV-Versicherten in Anspruch genommen. Die Therapien haben einen Gegenwert von 277,6 Millionen Euro (WIdO Heilmittelbericht 2021/2022). Zum 31. März 2020 gab es laut Bundesagentur für Arbeit jedoch nur 5.841 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Bereich Podologie in Deutschland.

Auch um den Nachwuchs ist es schlecht bestellt. In vielen Bundesländern stagniert die Zahl der Schülerinnen und Schüler. Grund hierfür ist unter anderem die sinkende Zahl der Schulen, an denen Podologen und Podologinnen ausgebildet werden. Insgesamt sind es in Deutschland nur rund 30 Schulen. In Brandenburg und Bremen gibt es überhaupt keine Schulen, die eine Ausbildung für den wichtigen Gesundheitsfachberuf anbieten.

Kostspielige Ausbildung

Hinzu kommt: Von den Podologieschulen in Deutschland sind mit Bayern, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Hessen sowie Sachsen aktuell nur Schulen in sieben Bundesländern schulgeldfrei. In den übrigen Bundesländern müssen Podologieschülerinnen und -schüler für ihre Ausbildung noch ein Schulgeld bezahlen.

Angehende Podologinnen und Podologen zahlten im Schuljahr 2018/2019 im Durchschnitt 325 Euro Schulgeld im Monat, berichtet der Deutsche Krankenhausinstitut e. V. Mit eingerechnet sind dabei nicht die sonstigen Kosten, die während eines Ausbildungsganges entstehen. Sie schlugen im Schuljahr 2018/2019 durchschnittlich mit rund 673 Euro zu Buche. Hinzu kam eine Aufnahmegebühr in Höhe von durchschnittlich 199 Euro sowie eine – im Vergleich zu anderen Ausbildungsberufen – hohe Prüfungsgebühr von im Durchschnitt 392 Euro.

Schulgeldpflichtig oder schulgeldfrei? Der Stand in Deutschland nach Bundesland (September 2022)

Bundesland

Status

Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg ist die Schulgeldfreiheit für Gesundheitsberufe bislang nicht umgesetzt, obwohl der Koalitionsvertrag 2021 der Landesregierung dies verspricht. Erst im November 2021 forderte das Verbändebündnis „Schulgeldfreiheit in den Gesundheitsberufen“ daher erneut eine sofortige Umsetzung der Schulgeldfreiheit.

Bayern

Seit dem Schuljahr 2019/2020 fällt in Bayern für Gesundheitsberufe kein Schulgeld mehr an. Allerdings erheben die Schulen „Verwaltungsgelder“ in unterschiedlicher Höhe.

Berlin

Die Ausbildung in den Therapieberufen soll in Berlin ab 2022/2023 schulgeldfrei sein, hieß es in einer gemeinsamen Presseerklärung der rot-rot-grünen Koalition im Berliner Abgeordnetenhaus vom 10. August 2021. Umgesetzt wurde dies aber bislang nicht: Noch immer müssen Menschen, die beruflich Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie oder Podologie (Heilkunde am Fuß) betreiben wollen, Schulgeld zahlen.

Brandenburg

In Brandenburg gibt es derzeit keine Podologieschulen.

Bremen

Bremen verfügt über keine eigenen Podologieschulen. In einigen der Bremer Schulen für Logopäd*innen, Ergo- und Physiotherapeut*innen gilt allerdings mittlerweile die Schulgeldfreiheit.

Hamburg

Während in Hamburg das Schulgeld für angehende Ergotherapeuten, Logopäden und Physiotherapeuten zum 1. April 2019 abgeschafft wurde, müssen Podolog*innen weiterhin selbst für ihre Ausbildung aufkommen.

Hessen

Zum 1. August 2020 ist in Hessen ein Gesetz zur Abschaffung des Schulgeldes in Gesundheitsfachberufen in Kraft getreten. Die Podologieausbildung ist damit schulgeldfrei.

Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern herrscht bislang keine Schulgeldfreiheit für Podolog*innen.

Niedersachsen

In Niedersachsen herrscht Schulgeldfreiheit für angehende Podolog*innen.

Nordrhein-Westfalen

Für die Ausbildung in den Gesundheitsfachberufen muss in Nordrhein-Westfalen kein Schulgeld mehr gezahlt werden. Das Bundesland hat das Schulgeld in den Gesundheitsfachberufen rückwirkend zum 1. Januar 2021 abgeschafft.

Rheinland-Pfalz

Ab Juli 2022 übernimmt das rheinland-pfälzische Sozialministerium das Schulgeld für die Auszubildende an den privaten Gesundheitsfachschulen im Land. Dazu gehören Berufe wie Physio- und Ergotherapeut*innen, Podolog*innen und Logopäd*innen,  Medizinisch-technische (MTA) und Pharmazeutisch-technische Assistent*innen (PTA) sowie Masseur*innen.

Saarland

Im Saarland herrscht bislang keine Schulgeldfreiheit für Podolog*innen.

Sachsen

Für Auszubildende in Gesundheitsfachberufen übernimmt der Freistaat Sachsen das Schulgeld ab dem Schuljahr 2020/21.

Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt herrscht bislang keine Schulgeldfreiheit für Podolog*innen.

Schleswig-Holstein

Seit dem 1. Januar 2019 muss in Schleswig-Holstein für die Podologieausbildung nichts mehr gezahlt werden.

Thüringen

Das Bildungsministerium hat im Mai 2022 angekündigt, dass die Schulgeldfreiheit im aktuellen Haushaltsjahr ausgesetzt werde. Vor dem Hintergrund fehlender Haushaltsmittel habe das Ressort kaum andere Möglichkeiten, sagte ein Sprecher. Die Kostenübernahme durch das Land in Höhe von 180 Euro pro Monat war erst 2021 eingeführt worden. 

 

 

Quelle: Deutscher Verband für Podologie (ZFD) e. V.

 

Autor: Cornelia Meier
Nach einem Abstecher in die Öffentlichkeitsarbeit leitet die gebürtige Augsburgerin seit Juli 2021 die Redaktion des Fachmagazins DER FUSS.
Cornelia Meier
Redakteurin
DER FUSS