KfW-Gründungsmonitor: Insgesamt weniger Gründungen, Zahl der Gründerinnen aber stabil

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Im Schatten der Corona-Krise haben im vergangenen Jahr weniger Menschen eine Existenzgründung verwirklicht als im Jahr zuvor. Dem repräsentativen KfW-Gründungsmonitor zufolge rutschte die Zahl der Vollerwerbsgründungen auf einen neuen Tiefpunkt von 201.000. Das sind 12 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch im Nebenerwerb wurde weniger gegründet ( -41.000 bzw. -11 % auf 336.000). Insgesamt wagten 2020 537.000 Menschen den Sprung in die berufliche Selbstständigkeit.

Der Rückgang der Existenzgründungen liegt hauptsächlich an weniger Gründungen von Männern. Ihre Zahl sank 2020 auf 332.000, die Zahl der Gründerinnen blieb hingegen mit 205.000 nahezu stabil. Gründungen von Frauen kamen damit auf einen Anteil von 38 Prozent an allen Existenzgründungen (2019: 36 %). Dieses Ergebnis ist überraschend, denn Studien zufolge waren gerade selbstständige Frauen besonders stark von negativen Auswirkungen der Corona-Krise betroffen und mussten häufiger als Männer mit Umsatzverlusten, Existenzsorgen und Einschränkungen des Lebensstandards umgehen. Gründungsinteressierte Frauen scheinen sich jedoch schneller auf die neuen Krisenbedingungen eingestellt und letztlich ihre Gründungspläne häufiger doch realisiert zu haben als Männer. Hierfür spricht, dass Gründerinnen im vergangenen Jahr häufiger als Gründer ihre Geschäftsmodelle angepasst haben (52 % vs. 39 %).

2021 07 05 KfW Gründungsmonitor GrafikÜber die Hälfte der Abbrüche junger Selbstständigkeiten waren coronabedingt

KfW Research analysiert im KfW-Gründungsmonitor auch die Abbruchraten und -gründe im vergangenen Jahr. Die Corona-Krise hat sich hier klar niedergeschlagen: Etwa vier von zehn Gründerinnen und Gründern haben 2020 ihre selbstständige Tätigkeit binnen 5 Jahren nach Geschäftsaufnahme wieder beendet. Zwar erfolgte ein Abbruch wie auch in der Vergangenheit häufig aus persönlichen Gründen (z. B. familiäre Belastung, besseres Jobangebot), doch der Anteil von Gründungsabbrüchen wegen Unwirtschaftlichkeit hat sich gegenüber 2019 auf 40 Prozent verdoppelt. Insgesamt war im Jahr 2020 bei etwas mehr als der Hälfte (56 %) der Abbrüche die Corona-Krise entscheidend.

Allerdings waren im Corona-Jahr 2020 auch mehr Menschen motiviert, sich mit einer bietenden Geschäftsgelegenheit selbstständig zu machen. Der Anteil sogenannter Chancengründungen stieg auf 80 Prozent (2019: 73 %). Aus der Not heraus wegen fehlender besserer Erwerbsalternativen entstanden nur 16 Prozent (2019: 23 %) aller Existenzgründungen. Im vergangenen Jahr haben folglich in erster Linie diejenigen Existenzgründer ihr Gründungsvorhaben in die Tat umgesetzt, die eine besondere Beharrlichkeit und Zuversicht mitgebracht haben. Auf der anderen Seite dürfte die Kurzarbeit dazu beigetragen haben, dass nicht mehr Menschen aus der Not heraus eine selbständige Tätigkeit aufnahmen.

Mehr Gründertätigkeit im Jahr 2021?

Die existenzbedrohende Lage, in die viele Selbstständige durch die Corona-Krise gerutscht sind, hat im vergangenen Jahr offenbar viele Gründungsinteressierte abgeschreckt, bevor sie Gründungspläne überhaupt entwickeln haben. Entsprechend stark ist die „Planungstätigkeit“ eingebrochen: Der Anteil von Erwerbsfähigen (18-64-Jährige) mit Gründungsplänen sank von 6,4 Prozent im Jahr 2019 auf 4,4 Prozent im vergangenen Jahr. Gleichzeitig ging die Quote derjenigen, die ihre Geschäftstätigkeit innerhalb der nächsten 12 Monate aufnehmen wollen, von 3,2 Prozent auf 2,6 Prozent zurück. Die rückläufige Planungsquote 2020 sei aber laut KfW nur auf den ersten Blick ein negatives Signal für die Gründungstätigkeit 2021.

„Nach dem coronabedingten Einbruch der Gründungstätigkeit in Deutschland verspricht 2021 ein gutes Gründungsjahr zu werden. Der konjunkturelle Aufschwung gibt Rückenwind und auch der Arbeitsmarkt dürfte eher positiv auf die Gründungstätigkeit wirken“, sagt Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. „Hinzu kommt: Viele Gründungsplanerinnen und -planer wollten eigentlich bereits 2020 gründen – sie haben ihre Projekte aufgrund der Corona-Krise nur verschoben. Sie sind im Planungsprozess weit vorangeschritten und nah an der Umsetzung. Auch davon dürfte die diesjährige Gründungstätigkeit profitieren.“

Der aktuelle KfW-Gründungsmonitor ist abrufbar unter www.kfw.de/gruendungsmonitor

 

Zum Datenhintergrund
Der KfW-Gründungsmonitor ist eine repräsentative, seit dem Jahr 2000 jährlich durchgeführte, telefonische Bevölkerungsbefragung zum Gründungsgeschehen in Deutschland. Er basiert auf Angaben von 50.000 zufällig ausgewählten, in Deutschland ansässigen Personen. Gründer werden dabei breit erfasst: Ob im Voll- oder Nebenerwerb, ob Freiberufler oder Gewerbetreibender, ob Neugründung oder Übernahme. Der KfW-Gründungsmonitor liefert damit ein umfassendes Bild der Gründungstätigkeit in Deutschland. 

 

Quelle: KfW/Cornelia Meier