Typ-1-Diabetes-Früherkennung bei Kindern

Eine Diabeteserkrankung bleibt bei Kindern und Jugendlichen oft lange unentdeckt. Foto: Andrey Popov/AdobeStock

In Deutschland erkranken jährlich etwa 3.000 Kinder und Jugendliche neu an Diabetes Typ 1. Obwohl er die häufigste chronische Stoffwechselerkrankung in der Altersgruppe der bis 19-Jährigen ist, werden typische Symptome häufig zunächst falsch gedeutet und erst bei einer schweren Stoffwechselentgleisung mit Blutübersäuerung diagnostiziert. Diese diabetische Ketoazidose (DKA) kann im schlimmsten Fall tödlich verlaufen.

Diabetes Typ 1 trifft Familien plötzlich und unverschuldet. „Die Bildung von Autoantikörpern gegen insulinproduzierende Zellen der Bauchspeicheldrüse führt bei Kindern und Jugendlichen zu einem schleichenden Insulinmangel, der typischerweise Gewichtsverlust, unstillbaren Durst, vermehrten Harndrang und Leistungsminderung verursacht“, erklärt Privatdozent Dr. med. Thomas Kapellen, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie (AGPD) der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und Chefarzt der MEDIAN Kinderklinik „Am Nicolausholz“ in Bad Kösen. Unentdeckt könne dies – vor allem bei Vorschulkindern – zu einer diabetischen Ketoazidose (DKA) führen. Diese Stoffwechselentgleisung zeigt sich auch durch Übelkeit oder Erbrechen, beschleunigte Atmung und einen säuerlichen Acetongeruch des Atems. Sie kann mitunter tödlich verlaufen. „In jedem Fall verlängert sich mit einer DKA der zur Erstbehandlung eines Diabetes Typ 1 notwendige Klinikaufenthalt, oft müssen Betroffene sogar zunächst auf die Intensivstation“, sagt der Kinderdiabetologe. Außerdem weisen Daten darauf hin, dass eine DKA bei Erkrankungsbeginn auf lange Sicht eine schlechtere Stoffwechsellage zur Folge hat.

DKA-Fälle bei Kindern fast verdoppelt

Dr. Kapellen mahnt: „Die diabetische Ketoazidose ist in Deutschland mit derzeit 26,4 Prozent bei neu Erkrankten seit Jahren konstant und damit viel zu hoch.“ Laut aktuellen Daten sei die Zahl der DKA bei Kindern während des ersten Lockdowns stark angestiegen: „Vom 13. März bis 13. Mai 2020 hat sich die DKA-Rate mit 238 Fällen gegenüber den Vergleichszeiträumen der Vorjahre nahezu verdoppelt; insbesondere die Fallzahl der Vorschulkinder mit einer schweren DKA ist angestiegen.“

Um das Risiko für eine Ketoazidose im Kindesalter zu senken, startete die AGPD Anfang des Jahres zusammen mit dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) eine Aufklärungskampagne zur Früherkennung von Typ-1-Diabetes: Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte informieren Eltern bei jeder U6- und U7a-Vorsorgeuntersuchung, die Ende des ersten sowie dritten Lebensjahres stattfinden, über die vier Hauptwarnzeichen der Stoffwechselerkrankung.

 

Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)/Cornelia Meier