Kombination von Diabetes und Gicht erhöht Amputationsrisiko deutlich

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Menschen, die sowohl an Gicht als auch an Diabetes leiden, haben gegenüber dem Bevölkerungsdurchschnitt ein rund 25 Mal so hohes Risiko für eine Amputation peripherer Gliedmaßen, etwa von Füßen, Zehen oder Unterschenkel. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die Experten aus den USA auf dem virtuellen Jahreskongress der europäischen Rheumaliga EULAR 2020 präsentiert haben (1).

Diabetes mellitus und Gicht zählen in westlichen Industrieländern zu den häufigsten Stoffwechselerkrankungen: Nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden rund 60 Millionen Europäer an Diabetes (2), von Gicht sind bis zu 18 Millionen Europäer betroffen (3). „Gicht wird zunehmend mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre und stoffwechselassoziierte Komplikationen in Verbindung gebracht, auch die Nieren sind oft betroffen, nun kommt noch das erhöhte Amputationsrisiko dazu“, sagt EULAR-Präsident Professor Dr. med. Iain B. McInnes aus Glasgow, Schottland, Großbritannien. 

Für die Studie wertete das Team um Dr. Brian LaMoreaux, Lake Forest/USA, 190 Millionen anonymisierte Datensätze aus einer US-Patientendatenbank aus. Die Forscher teilten die Patienten anhand ihrer Krankheitsgeschichte in vier Gruppen ein, je nachdem ob sie nur an Gicht, nur an Diabetes, an beiden Erkrankungen zugleich oder an keiner der beiden Erkrankungen litten. Anschließend verglichen sie, wie viele Patienten aus diesen Gruppen sich einer Amputation der äußeren Gliedmaßen unterziehen mussten. Bei Patienten ohne eine der beiden Erkrankungen betrug die Amputationsrate 0,03 Prozent. Demgegenüber stieg sie bei Patienten mit Gicht allein bereits auf 0,16 Prozent. Bei Menschen, die nur an Diabetes und nicht an Gicht litten, verdreifachte sich dieser Wert nahezu auf 0,46 Prozent. „Patienten, die entweder nur von Gicht oder Diabetes betroffen sind, haben bereits ein signifikant erhöhtes Risiko einer Amputation. Treten beide Erkrankungen in Kombination auf, potenziert sich dieser Effekt nochmals deutlich“, sagt LaMoreaux. Nach Erkenntnissen seiner Studie lag die Amputationsrate bei Patienten mit Diabetes und Gicht bei 0,77 Prozent.

Literatur:
1. EULAR Abstract No. 2058: Amputation procedures in patients with gout compared to patients with diabetes, LaMoreaux et al., DOI: 10.1136/annrheumdis-2020-eular.2058
2. WHO Europe: Diabetes – Data and Statistics: https://www.euro.who.int/en/health-topics/noncommunicable-diseases/diabetes/data-and-statistics (03.07.2020).
3. EULAR: RheumaMap. Research Roadmap to transform the lives of people with Rheumatic and Musculoskeletal Diseases, 2019.