Gesundheitsfachberufe: Nur jeder Dritte zahlt kein Schulgeld

Foto: U.Weinreich/pixelio.de

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Im Schuljahr 2018/2019 ist in 63 Prozent der elf erfassten Ausbildungsgänge im Bereich Gesundheitsfachberufe Schulgeld erhoben worden. Zwei von drei Schülern (65 %) haben in diesem Jahr Schulgeld von durchschnittlich 250 Euro pro Monat bezahlt. Darüber hinaus erheben die Schulen teilweise auch weitere Gebühren, wie Anmelde- oder Prüfungsgebühren.

Das geht aus einem Gutachten des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) hervor, welches das DKI im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) erstellt hat.

 Erfasst wurden die Ausbildungslehrgänge von Diätassistenten, Ergotherapeuten, Logopäden, Masseure und medizinischer Bademeister, Medizinisch-technische Assistenten für Funktionsdiagnostik, Medizinisch-technische Laboratoriumsassistenten, Medizinisch-technische Radiologieassistenten, Orthoptisten, Pharmazeutisch-technische Assistenten, Physiotherapeuten und auch Podologen.

Bundesweit haben zu Jahresbeginn 2019 89 Prozent der Schüler in den elf erfassten Gesundheitsfachberufen keine Ausbildungsvergütung erhalten. Würden diese Auszubildenden alle nach den entsprechenden Tarifen des Tarifvertrags für Auszubildende des öffentlichen Dienstes für die Pflege (TVAöD-Pflege) bezahlt, lägen die Mehrkosten der Ausbildungsvergütungen bundesweit bei rund 816 Millionen Euro pro Jahr. Die Mehrkosten je Schüler würden rund 17.000 Euro pro Jahr betragen (jeweils Arbeitgeber-Bruttokosten).

Die Datenerfassung für das Gutachten erfolgte im vergangenen Jahr. Seither haben jedoch verschiedene Bundesländer das Schulgeld abgeschafft – wie jüngst Hessen, wo Auszubildende in Gesundheitsfachberufen ab August kein Schulgeld mehr bezahlen müssen.

In ihrem Koalitionsvertrag haben Union und SPD vereinbart, die Ausbildung der Gesundheitsfachberufe neu zu ordnen. Insbesondere sollen dabei das Schuldgeld abgeschafft und eine Ausbildungsvergütung eingeführt werden. Eine konkrete Finanzierung dafür steht noch aus.

Die Ergebnisse dieses Forschungsgutachtens sollen in die Erstellung eines Gesamtkonzeptes zur Neuordnung und Stärkung der Ausbildungen in den Gesundheitsfachberufen und den sich daran anschließenden Vorbereitungen von gesetzgeberischen Maßnahmen einfließen.
Die verschiedenen Gutachtenteile sind hier abrufbar.