DDG kritisiert Nationale Diabetesstrategie „light“ als verpasste Chance

Abb. DDG

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) begrüßt die Verabschiedung der ersten Nationalen Diabetesstrategie im Bundestag am 3. Juli – doch es sei leider nur eine „Strategie light“ geworden. "Wichtige Maßnahmen, die die WHO zu Diabetes empfiehlt, fehlen, andere stehen ohne Bezug nebeneinander. In den Bereichen Prävention, Versorgung, Forschung und Nachwuchsförderung in der Diabetologie ist die Politik hinter ihren Möglichkeiten geblieben", so die DDG.

In dem Beschluss, auf den sich der Bundestag geeinigt hat, würden wesentliche Bausteine fehlen. „Es kann sich bei der Nationalen Diabetesstrategie nur um einen ersten Aufschlag handeln, nun müssen den Willensbekundungen auch Taten folgen“, fordert DDG-Präsidentin Prof. Dr. med. Monika Kellerer.

In dem Entwurf komme insbesondere die Ernährung zu kurz – ein wesentlicher Kern der Diabetesprävention. „Die Lebensmittelindustrie muss hier mehr in die Verantwortung genommen werden, denn ihre Produkte tragen ganz wesentlich zu gesundem oder ungesundem Essverhalten bei“, erklärt DDG-Geschäftsführerin Barbara Bitzer. In Bezug auf Softdrinks etwa nennt die Diabetesstrategie aber weiterhin nur das Ziel einer freiwilligen Zuckerreduktion von 15 Prozent bis Ende 2025. „Dieses Ziel ist viel zu gering und damit quasi wirkungslos, um neue Diabetesfälle zu verhindern“, sagt Bitzer. Noch immer setze die Politik auch viel zu sehr auf das individuelle Verhalten und ignoriere den enormen Einfluss der Alltagsumgebung und des Lebensmittelangebots. „Deutschland braucht eine Nationale Diabetesstrategie, die verbindliche Maßnahmen und ambitionierte Ziele im Bereich Ernährung umfasst, ansonsten ist es keine Strategie“, betont Bitzer.

Seit Jahren weist die DDG schon darauf hin, dass eine verbindliche Zuckerreduktion in anderen Ländern bereits erfolgreich umgesetzt wurde und positiven Effekte wissenschaftlich belegt sind. Doch in diesem Beschluss nehmen die Fraktionen aus Sicht der DDG erneut eine passive Haltung gegenüber der Industrie ein. Es findet sich lediglich ein Hinweis, dass die Forderungen der wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Krankenkassen „zu prüfen“ seien und sich für eine Ausweitung des Engagements der Branche eingesetzt werden müsse. „Eine so unverbindliche und vage Aussage ist wertlos “, so Bitzer.

Eine dauerhafte Verbesserung der sektorenübergreifenden Versorgung und der translationalen Forschung sei notwendig, um zusätzlich zu den Präventionsmaßnahmen der Diabetes-Pandemie Einhalt bieten zu können, erklärt die DDG. „Wir brauchen einen politischen Willen mit konkretem und verbindlichem Rahmen, um die Versorgung besser steuern zu können und das Gesundheitswesen in Zukunft nicht zu überlasten", sagt DDG-Pressesprecher Prof. Dr. med. Baptist Gallwitz.

In der Strategie werde auch der medizinische Nachwuchs in der Diabetologie nicht ausreichend berücksichtigt, stellt Kellerer, Ärztliche Direktorin des Zentrums für Innere Medizin I am Marienhospital Stuttgart, fest und warnt: „Wenn die Zahl der klinischen Lehrstühle an den Universitäten weiter so rasant abnimmt wie in den vergangenen Jahren, wird es bald kaum noch medizinisches Fachpersonal geben, das zu einer guten Versorgungsstruktur in Deutschland beitragen kann. Dieser wichtige Baustein wurde nicht berücksichtigt, was das Fundament, auf dem die Nationale Diabetesstrategie fußt, porös macht.“ Begrüßenswert seien Maßnahmen zur Verbesserung des Disease Management Programms (DMP), zur Diabetesforschung sowie dem Ausbau der telemedizinischen Infrastruktur. „Auch, dass Adipositas im Beschluss vermehrt in den Fokus genommen wird, ist ein wichtiger Schritt“, ergänzt Kellerer. Das Krankheitsbild soll verstärkt in den Katalog der ärztlichen Fort- und Weiterbildung aufgenommen werden, eine interdisziplinäre, multimodale, individuelle Versorgung ermöglicht und für den Ausbau der diesbezüglichen Lehrstühle geworben werden.

„Es gibt viele gute Ansätze in dem Entwurf, die in Zukunft inhaltlich ausgefüllt werden müssen und bestenfalls noch Ergänzungen finden“, resümiert die Diabetologin. Sie verweist auf die ausstehende Erarbeitung eines Eckpunktepapiers, das schließlich mit konkreten Maßnahmen der Weiterentwicklung des Präventionsgesetzes dienen soll. Hier erhoffe sich die DDG wesentliche Nachbesserungen.