Wie informieren sich Bürger in der Coroankrise?

Nutzung verschiedener Informationsquellen in der Coronakrise.
(Abb. ©: Christina Viehmann, Institut für Publizistik, Mainz)

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Welche Medien und Plattformen nutzen die Menschen, um sich in der Coronakrise zu informieren, und welchen Eindruck haben sie von der Krisensituation und dem Zusammenhalt in der Gesellschaft? Diese und weitere Fragen untersuchten eine gemeinsamen Studie der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Die Kommunikationswissenschaftler Dr. Christina Viehmann und Prof. Dr. Oliver Quiring von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und Prof. Dr. Marc Ziegele von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf haben dazu vom 24. bis 26. März 2020 über das Umfrageinstitut YouGov insgesamt 2.038 Personen befragt, die repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren sind.

Mix aus etablierten Medien, privaten Kontakten und offiziellen Quellen
Aktuelle Informationen zum Coronavirus und den damit verbundenen Entwicklungen erhalten die Deutschen vor allem über einen Mix aus etablierten Medien, privaten Kontakten und offiziellen Quellen: Die Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (Radio, Fernsehen, Online- und Mobilangebote) werden von 66 Prozent der Deutschen täglich und von einem Viertel sogar mehrfach täglich genutzt. Immerhin knapp ein Fünftel der Befragten nutzt diese Medienangebote aber auch gar nicht.

Auch private Kontakte sind für die Deutschen in Zeiten der Coronakrise eine wichtige Informationsquelle: Sowohl im persönlichen Gespräch, beispielsweise über das Telefon, aber auch über WhatsApp-Nachrichten oder Messaging-Dienste erhalten jeweils knapp mehr als die Hälfte der Deutschen nahezu täglich oder mehrfach täglich Informationen. Ebenfalls bedeutsam sind die offiziellen Informationen von Behörden, Forschungseinrichtungen und aus der Politik: Hier geben mehr als die Hälfte der Befragten (57 Prozent) an, diese nahezu täglich oder häufiger zu nutzen.

Verglichen damit spielen die Informationen aus Zeitungen sowie dem privaten Rundfunk und den jeweils zugehörigen Onlineangeboten eine nachgelagerte Rolle: Je 44 Prozent beziehungsweise 45 Prozent der Deutschen geben an, nahezu täglich oder häufiger privaten Rundfunk oder Regionalzeitungen zu nutzen. Nur ein gutes Drittel der Befragten greift täglich auf überregionale Zeitungen und politische Magazine inklusive ihrer Online- und Mobilangebote zurück, um sich zur Coronakrise zu informieren.

Öffentliche Debatte wirkt besonnen und lösungsorientiert
Trotz Unsicherheit und der Tatsache, dass sich die Entwicklungen in den vergangenen Tagen regelmäßig überschlagen haben, erscheint einer Mehrheit der Bevölkerung die aktuelle gesellschaftliche Debatte rund um Corona wenig dramatisiert, sondern vielmehr lösungsorientiert.

Danach gefragt, welchen Eindruck die Befragten von der aktuellen gesellschaftlichen Diskussion rund um die Coronakrise haben, teilten 43 Prozent der Befragten die Position, dass konstruktiv über Lösungen diskutiert werde. 20 Prozent hatten diesen Eindruck nicht beziehungsweise eher nicht. Dass die Situation in der öffentlichen Debatte zu sehr dramatisiert werde, fanden dagegen 25 Prozent der Deutschen. Deutlich mehr, nämlich 40 Prozent, teilten diesen Eindruck nicht.

Ein Drittel der Deutschen findet, dass die politischen Entscheidungsträger von der Krise überfordert sind (37 Prozent). Allerdings trauen ihnen auch 46 Prozent zu, die Krise zu lösen. Demgegenüber sagen 20 Prozent, dass sie dieses Zutrauen eher nicht oder gar nicht haben.

Wenngleich die öffentliche Debatte zu Corona besonnen und konstruktiv erscheint und auch der Politik durchaus eine Lösung zugetraut wird, sind viele Deutsche besorgt. Knapp die Hälfte macht sich jeweils Sorgen, was in der Krise noch droht (44 Prozent) und welche persönlichen Folgen die Krise haben wird (46 Prozent).

Eindrücke von Jung und Alt driften auseinander
Vor allem zwei Bevölkerungsgruppen werden in der aktuellen Diskussion immer wieder hervorgehoben: Die Älteren, die laut derzeitigem Erkenntnisstand ein höheres Risiko haben, bei einer Coronavirusinfektion einen schweren Krankheitsverlauf zu erleiden. Demgegenüber die Jüngeren, deren Gesundheit das Virus vermutlich nicht derart bedroht, die sich jedoch solidarisch zeigen sollen, um das Infektionsrisiko für die besonders gefährdeten Gruppen zu minimieren. In der Folge könnten sich diese Gruppen darin unterscheiden, welchen Eindruck sie von der aktuellen Debatte in der Gesellschaft haben.

Tatsächlich dominiert bei den über 55-Jährigen mit 50 Prozent klar der Eindruck, dass die gesellschaftliche Debatte um das Coronavirus lösungsorientiert ist. Dagegen teilt nur ein gutes Drittel der beiden jüngsten Altersgruppen von 18 bis 24 Jahren und von 25 bis 34 Jahren diesen Eindruck. Vielmehr haben unter den Jüngeren deutlich mehr den Eindruck, in der Diskussion werde dramatisiert, nämlich 39 Prozent bei den 18- bis 24-Jährigen, während bei den über 55-Jährigen dies nur ein knappes Fünftel so sieht. An dieser Stelle zeigt sich also, wie die Wahrnehmungen der aktuellen Krisensituation zwischen jüngeren und älteren Bevölkerungsgruppen auseinanderdriften. Dies stellt ein Spannungspotenzial dar und könnte mitunter Zweifel am aktuell stark beschworenen Credo des gesellschaftlichen Zusammenhalts nähren.

Ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl – aber mit Einschränkungen
Wie steht es also um das Gemeinschaftsgefühl, das dieser Tage von vielen Seiten beschworen wird? Im Großen und Ganzen haben die meisten Deutschen den Eindruck, dass die Gesellschaft zusammenhält. Mehr als drei Viertel der Befragten ist der Meinung, dass in der aktuellen Lage alle in einem Boot sitzen. Ähnlich viele (67 Prozent) haben den Eindruck, dass sich die meisten in der Gesellschaft einig darin sind, dass Zusammenhalt nun wichtig ist. Dabei unterscheiden sich Jung und Alt nicht. Jeweils weniger als ein Zehntel der Befragten teilt diese Gemeinschaftsperspektive nicht.

Dennoch gibt es Hinweise, die das harmonische Bild des gesellschaftlichen Zusammenhalts trüben: Ein Drittel der Deutschen denkt, dass es den meisten in der Gesellschaft egal ist, was mit den anderen passiert. 41 Prozent finden, dass die meisten Deutschen nur ihr eigenes Wohlergehen im Blick haben. Explizit nach dem Verhalten ihrer Mitmenschen gefragt, geben ebenfalls 41 Prozent an, dass sie das Verhalten ihrer Mitmenschen empört, zum Beispiel wenn Sie Hamsterkäufe bemerken oder auf zuwenig Abstand geachtet wird.