Programm Diabetes Typ 2 sollte überarbeitet werden

(Foto: fotoART by Thommy Weiss/pixelio.de)

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Das Chronikerprogramm (Disease Management Programm, DMP) zu Diabetes Typ 2 entspricht in vielen Bereichen nicht mehr dem aktuellen Stand der Wissenschaft und sollte daher überarbeitet werden. Zu diesem Schluss kommt das Institut für Qualität und Wirt­schaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in seinem Abschlussbericht einer Leitlinien­recherche.

Dabei wurden 37 Leitlinien in die aktuelle Analyse einbezogen, aus denen sie insgesamt 1963 Empfehlungen (z. B. zu Diagnostik, Therapie oder Schulungen) extrahierten wurden. Das abschließende Ergebnis: Fast alle Aspekte des DMP sollten oder könnten überarbeitet werden.

Einen Überarbeitungsbedarf der DMP-A-RL sehen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor allem für die Aspekte „Blutglukosesenkende medikamentöse Therapie“ sowie „Begleit- und Folgeerkrankungen“ des Diabetes mellitus Typ 2. Nur der Aspekt „Diagnostik (Eingangsdiagnose)“ benötigt aktuell keine Aktualisierung.

Bei der Erfassung und Behandlung von Begleit- und Folgeerkrankungen gibt es ebenfalls Aktualisierungsbedarf. „Drei der vom IQWiG untersuchten internationalen Leitlinien empfehlen ein regelmäßiges Screening auf Depressionen. Diese Empfehlung sollte bei der Aktualisierung des DMP Diabetes mellitus Typ 2 umgesetzt werden“, so die IQWiG-Wissenschaftler.

„Trotz des Umstands, dass viele an Diabetes mellitus Typ 2 Erkrankte Antidiabetika verord­net bekommen und mehrere behandlungspflichtige Begleiterkrankungen aufweisen, werden in den Leitlinien nur selten differenzierte Empfehlungen zum Umgang mit dem Problem der Multimedikation formuliert“, kritisieren die IQWiG Wissenschaftler.

Kenntnisse in Schulungen auffrischen
Patientenschulungen sind ein fester Bestandteil des DMP Diabetes mellitus Typ 2. Schulungen sollen an die Bedürfnisse, Lebenslagen und insbesondere an die kognitive Leistungsfähigkeit der älteren Menschen mit Diabetes angepasst sein. Das schließt wiederholte Schulungen zum Selbstmanagement ein, die geeignet sind, den HbA1c-Wert zu verbessern und ungeplante Klinikeinweisungen zu reduzieren.

Technischer Fortschritt noch nicht berücksichtigt
Der Abschlussbericht weist auch darauf, seit der letzten Leitlinieneaktualisierung weitere technische Hilfsmittel verfügbar seien: „Nach den Leitlinien können auch bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 mit sehr schwer kontrollierbaren Blutzuckerspiegeln technische Hilfsmittel zur Kontrolle und Regulierung des Blutzuckerspiegels, beispielsweise ein kontinuierliches Glukose-Monitoring (CGM), empfohlen werden. In den DMP-Richtlinien ist das bisher noch nicht berücksichtigt“, so die Wissenschaftler.

Aktualisierungsbedarf sehen die Wissenschaftler  außerdem bei der Behandlung von infizierten Fußwunden, um Amputationen zu vermeiden.