2. Therapiegipfel: Vertrauen durch Dialog

SHV-Vorsitzende Ute Repschläger begrüßt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf dem 2. Therapiegipfel in Berlin. (Foto: C. Maurer Fachmedien)

„Sie haben seit fünf Jahren hervorragende Lobbyarbeit für die Heilmittelerbringer gemacht“, kommentierte die vdek-Vorsitzende Ulrike Elsner die Arbeit des Spitzenverbands der Heilmittelverbände (SHV). Auf dem 2. Therapiegipfel am 9. September 2019 in Berlin wurde sie fortgesetzt. Etwa 500 Teilnehmer kamen, um sich unter anderem auch mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auszutauschen.

Neben Jens Spahn standen auch MdB Dr. Roy Kühne, MdB Bettina Müller, vdek-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner, Erik Bodendieck (BÄK) und der gesamte SHV-Vorstand den rund 500 Teilnhmern aus dem gesamtem Bundesgebiet Rede und Antwort.

Bereits in ihrem Eingangsstatement erläuterte Ute Repschläger, Vorsitzende des Spitzenverbands der Heilmittelverbände (SHV), Gastgeber des 2. Therapiegipfels, die Zwischenergebnisse wie den dauerhaften Wegfall der Bindung an die Grundlohnsumme bei Vergütungsverhandlungen oder die bundesweite Anhebung der Preise sowie die Neuausrichtung der Vergütungsverhandlungen ab Herbst 2019. Dafür dankte die SHV-Vorsitzende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ausdrücklich.

Allerdings seien weitere Anpassungen erforderlich, um die therapeutische Patientenversorgung zu sichern und die Situation der Therapeuten zu verbessern. Konkrete Maßnahmen müssen dem massiven Fachkräftemangel entgegenwirken. Der SHV fordert eine direkte Anbindung aller Therapeuten an die Telematikinfrastruktur (TI), die Einführung von Modellvorhaben zum Direktzugang, die Entfristung der Modellstudiengänge und spürbare Schritte zur Entbürokratisierung in den Praxen.

Proteste zeigten Wirkung
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn blickte auf die politischen Erfolge der letzten zwölf Monate zurück. In seinem Rückblick erwähnte er noch einmal ausdrücklich die unterschiedlichen Protestaktionen durch die verschiedenen Heilmittelerbringer. „Ich spürte einen Verlust an Vertrauen“, so der Minister. Deshalb sei es für ihn wichtig, miteinander im Gespräch zu sein und auch Entscheidungen zu fällen. Wie zum Beispiel die Anhebung der Entgelt um bis zu 30 Prozent zum 1. Juli – auch wenn ihm klar ist, dass Bundesländer mit hohen Vergütungen davon kaum - oder gar nicht - profitieren.

Schwerpunkte seiner Arbeit in den nächsten Monaten seien der Bürokratieabbau bei Heilmittelverordnungen, die Schulgeldfreiheit, wofür bis Ende 2019 Lösungen erarbeitet und 2020/2021 umgesetzt werden sollen. Offen, aber noch nicht entscheidungsbereit ist Minister Spahn bei der Überarbeitung der Berufsbildungsgesetze noch in der laufenden Legislaturperiode. „Bis Ende 2019 erarbeitet eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe konkrete Eckpunkte, die dann in einen Gesetzesentwurf einfließen werden“, so der Minister, für den dann 2020 das parlamentarische Verfahren eigeleitet werden soll.

Der Handlungs- und Modernisierungsbedarf der Ausbildungen liegt auf der Hand. Allerdings schätzt Jens Spahn die aus seiner Sicht sehr praxisbezogene Prägung der bestehenden fachschulischen Ausbildung. „Wir haben bereits eine gute duale Ausbildung“, so der Minister, die „Akademisierung kann daher nur eine Ergänzung zu den bisherigen Ausbildungswegen sein.“ „Was nützt ihnen der schönste Bachelor, wenn Sie nie einen Patienten gesehen haben", fragte er nach.

Er steht damit im Gegensatz zu den Gesundheitsfachberufen Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie und dem SHV: Die Novellierung der Berufsbildungsgesetze muss die Therapieberufe im Sinne der Patienten zukunftsfähig und attraktiver machen. Bei immer komplexer werdenden Krankheitsbildern müssen Therapeuten stärker als bislang in den Behandlungsprozess als Mitbehandler agieren. Dafür und für eine wissenschaftliche Weiterentwicklung der therapeutischen Berufe ist eine grundständige hochschulische Ausbildung mit weiterhin starkem Praxisbezug die Basis, so die SHV-Vertreter.

Blankoverordnung und Direktzugang
Der Bundesgesundheitsminister verwies ausdrücklich auf die noch anstehenden Umsetzungen der Blankoverordnung. Diese neue Versorgungsform gilt es nun bis zum 15. November 2020 mit Leben zu füllen und deren Nutzen für die Patienten in den Mittelpunkt zu stellen. Auch bei der Entbürokratisierung habe er Wort gehalten und mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz bürokratische Erleichterungen bei Zulassungsfragen geschaffen. einheitlichen Zulassungsstellen seien erst in diesen Tagen von Gesetzlichen Krankenkassen benannt worden.

Auch der Direktzugang war erwartungsgemäß ein strittiges Thema. Hier wurde von Seiten des Ministers und der Ärzteschaft die Haftungs- und Budgetverantwortung der Heilmittelerbringer wiederholt angesprochen. Die Ärzteschaft sieht die Diagnose- beziehungsweise Indikationsstellung für eine Heilmittelverordnung auch weiterhin als vertragsärztliche Aufgabe an.

Weitere Hausaufgaben bekommen
Aber auch Forderungen aus dem Publikum nahm der Minister ernst und will sie mit in sein Ministerium nehmen. So zum Beispiel den Hinweis auf den bürokratischen Aufwand für den Einzug der Zuzahlung sowie die fehlende Möglichkeit von Zwischenabrechnungen im Bereich der Podologie. Auch die „Spangenproblematik“ wurde von Ruth Trenkler,
1. Vorsitzenden des Deutschen Verbandes für Podologie (ZFD) und stellvertretende SHV-Vorsitzende angesprochen. Spangen würden in Arztpraxen von schlechtausgebildete Personal gesetzt, obwohl mit den Podologen qualifizierte Therapeuten dafür zur Verfügung stehen. Und das Schlimme dabei, dies wird auch noch von Kostenträgern finanziert, weil die Spangenbehandlung im ärztlichen Leistungskatalog enthalten ist.

Den Abschluss der Veranstaltungen bildeten vier Fachrunden zu den Themen Vergütung, Akademisierung/Berufsgesetze, Digitalisierung und Direktzugang. tom