Sixtus vor dem Aus?

Die Firma Sixtus wird ihre Produktpalette drastisch reduzieren (Foto: C. Maurer Fachmedien)

Statt derzeit 220 verschiedenen Pflegeprodukten will Sixtus zukünftig nur noch acht anbieten. Zudem wird die Belegschaft drastisch reduziert, der Firmensitz von Hausham nach Bad Aibling verlegt.

Sixtus, der bayerische Traditionshersteller von Fuß- und Hautpflegeprodukten, litt schon Anfang des Jahrtausends unter der Führung der Inhaberfamilie Becker unter finanziellen Schwierigkeiten. Als dann der Ex-Fußballnationalspieler Philipp Lahm 2015 bei Sixtus einstieg und seine Philipp Lahm Holding 2017 die Firma ganz übernahm, rechnete man mit besseren Zeiten. Ein Irrtum, wie sich jetzt herausstellte.

„Die Zahlen sind seit vielen Jahren nicht gut", zitiert der "Münchner Merkur" aus einem Statement von Philipp Lahm. Deshalb soll das Geschäftsmodell geändert werden: Die eigene Fertigung und der Außendienst werden eingestellt; die Produkte sollen künftig von Fremdfirmen gefertigt werden. Die Produktpalette wird dabei von 220 auf acht reduziert. Ab 2020 sollen nur noch zwei Großkunden für den Weiterverkauf der Produkte zuständig sind – bisher hatte Sixtus mehr als 3000 Kunden, die seine Produkte an den Endkunden brachten.

31 Mitarbeiter und ein Azubi waren bei der Firma angestellt. 20 Beschäftigten wurde gekündigt – fünf davon waren im Außendienst tätig. Elf davon haben gegen ihre Kündigungen geklagt. Die verbleibenden zehn Stellen fallen weg, weil ihre Inhaber in Rente gehen, befristet waren oder selbst gekündigt haben.
In Bad Aibling werden dann ab 2020 - neben der Geschäftsführung - eine Teilzeitkraft mit 20 Wochenstunden sowie ein Azubi die Geschäfte führen.

Eine kleine Geschichte von Sixtus
Otto Richter gründet 1931 das Sixtus Laboratorium in Schliersee. Der Betrieb bestand damals aus zwei kleinen Räumen und dem Produkt „Sixtolin Sonnenbrandöl“. Am
1. September 1939 übernahm der homöopathie- und kräuterkundige Drogist Fritz Becker Senior das Sixtus Laboratorium. Später stiegen seine Söhne Anton, Franz, Fritz und Josef in das Unternehmen ein.

Nach einem Umau wurde 1983 die Eröffnung und Inbetriebnahme der neuen Produktionsstätte in Hausham gefeiert. Im Stammhaus in Schliersee blieben die Verwaltung, der Versand und die Hausdruckerei. Anlässlich des 50-jährigen Firmenjubiläums wurde 1989 das Betriebsgebäude in Schliersee renoviert. Josef Becker zog sich im Jahr 2000 mit seinem Familienstamm aus dem Unternehmen zurück und wurde ausgezahlt. Gründe dafür sind nicht bekannt.

Am 1. Januar 2013 kaufte die Kroha Holding GmbH mehrheitsbeteiligt die Vermögenswerte der Sixtus Werke Fritz Becker GmbH & Co. KG und gründet die Sixtus Werke Schliersee GmbH. Am 18. Juli trat Ernst Homolka aus der Geschäftsführung aus, als Ersatz kam Petra Reindl. Die Kroha Holding GmbH war inzwischen zu 100 Prozent an der Sixtus Werke Schliersee GmbH beteiligt. Zum 1. April 2014 startet der umfassende Design-Relaunch der Marke Sixtus.

Philipp Lahm stieg dann 2015 zunächst als 50-prozentiger Gesellschafter ein und ist seit 2017 als alleiniger Inhaber tätig.

Sixtus war 1952 und 1972 offizieller Ausrüster der Olympischen Spiele. Die Geschäftsidee von Sixtus: Menschen Gutes zu tun – mit Wirkessenzen aus naturreinen Kräuterextrakten und ätherischen Ölen