So alt wie ich mich fühle, so arbeite ich auch

(Foto: Dunkel/pixelio.de)

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Die späte Laufbahnentwicklung ist ein Thema von immer größerer Relevanz. Eine Studie aus dem Berner Institut für Psychologie zeigt, dass das subjektive Alter – also wie alt sich jemand fühlt – die aktive Gestaltung der Arbeitsaufgaben stärker beeinflusst als das tatsächliche Alter. In der „späten“ Karriere ist es für die Arbeitnehmer außerdem von zunehmender Bedeutung, sinnstiftende Arbeit zu leisten.

Die Laufbahnentwicklung von älteren Arbeitnehmern ist ein relativ junges Forschungsfeld. Noemi Nagy, Claire Johnston und Andreas Hirschi vom Institut für Psychologie an der Universität Bern untersuchten nun motivationale und persönliche Veränderungen von älteren Arbeitnehmern.

In einer über ein Jahr dauernden Studie untersuchten die Arbeits- und Organisationspsychologinnen und -psychologen der Universität Bern die Verhaltensweisen von 485 ältereren Berufstätigen – durchschnittlich 54 Jahre alt – aus Deutschland. Besonderes Augenmerk richteten die Forschenden auf das sogennannte Job Crafting. Dabei handelt es sich um die aktive und individuelle Gestaltung der Arbeit durch die Arbeitnehmer, um eine größere Passung zwischen den Arbeitsinhalten und den persönlichen Fähigkeiten und Präferenzen zu erzielen.„Wir konnten zeigen, dass die subjektive Wahrnehmung des Alters stärker mit der proaktiven Verhaltensweise des Job Crafting zusammenhängt als das chronologische, tatsächliche Alter“, erklärt Noemi Nagy. Das subjektive Alter hatte zudem – über den aktuellen Gesundheitszustand und die Autonomie bei der Arbeit hinaus – eine signifikante Vorhersagekraft für eine aktivere Gestaltung der eigenen Arbeit, also dem Job Crafting. „Ältere Arbeitnehmer, die sich jünger fühlten, sind vermehrt initiativer bei der Gestaltung der eigenen Arbeit“, so Nagy.

Selbstbestimmtes Verhalten verleiht der Arbeit Sinn
Die Studie zeigte zudem auf, dass die aktive Gestaltung der eigenen Arbeit bei den befragten Personen positiv mit dem erlebten Sinn bei der Arbeit zusammenhing. „Teilnehmende, die aktives Job Crafting betrieben, gaben öfter an, dass ihre Arbeit sinnstiftend ist“, sagt Nagy.

Im Alter nehmen die Mitarbeitende ihre verbleibende Lebenszeit als kürzer wahr und priorisieren daher eher emotional sinnvolle Ziele. Daher ist es in der späten Karriere von zunehmender Bedeutung, persönlich sinnvolle Arbeit zu leisten. Wie die Ergebnisse der aktuellen Studie zeigen, ist Job Crafting ein geeignetes Instrument für ältere Arbeitnehmer, ihre Arbeitsplätze an ihre Präferenzen und Bedürfnisse anzupassen und so mehr Sinnhaftigkeit in ihrer Arbeit zu erleben.

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „European Journal of Work and Organizational Psychology“ publiziert: Nagy, N., Johnston, C. & Hirschi, A. (2019), «Do we act as old as we feel? An examination of subjective age and job crafting behaviour of late career employees.», in: European Journal of Work and Organizational Psychology, 28, 3, 373-383. http://dx.doi.org/10.1080/1359432X.2019.1584183