Wie lässt sich die Hautpflege in Pflegeheimen verbessern?

(Foto: AdobeStock /Sandor Kacso)

Pflegebedürftige Menschen leiden häufig an Hautproblemen: von allgemeiner Trockenheit bis hin zu Druckgeschwüren. Wollen Pflegekräfte den Zustand der Haut verbessern, sehen sie sich mit einer Vielzahl einzelner Handlungsempfehlungen konfrontiert. Eine Studie unter Leitung der Charité – Universitätsmedizin Berlin untersucht jetzt, ob nicht statt vieler Behandlungsstandards ein strukturiertes Hautpflegeprogramm geeignet ist, die verschiedenen Hautprobleme zu versorgen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Forschungsvorhaben mit rund 975.000 Euro.

Zur Vorbeugung von Druckgeschwüren, zur Linderung von Juckreiz oder zur Versorgung von Hautentzündungen: In der Pflege existieren eine Reihe spezieller Leitlinien und Standards. „Aber je mehr verschiedene Empfehlungen es gibt, desto schwieriger wird es für das Pflegepersonal, diese umzusetzen“, erklärt der Leiter des Forschungsvorhabens, Privatdozent Dr. Jan Kottner von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Campus Charité Mitte. Gleichzeitig werden viele Probleme durch altersbedingte Veränderungen der Haut verursacht: Sie wird trockener, dünner und anfälliger für leichte Verletzungen, auch ihr Säureschutzmantel wird schwächer und die Regenerationsfähigkeit nimmt insgesamt ab.

Das Team um Privatdozent Dr. Kottner hat zunächst die vielen bestehenden Handlungsempfehlungen analysiert und auf Basis der Gemeinsamkeiten ein Hautpflegeprogramm entwickelt. In einem Stufenschema sieht dieser Leitfaden eine standardisierte Beurteilung der Haut vor: Ist sie eher trocken oder nässend? Ist der Patient übergewichtig? Abhängig von dieser Einschätzung gibt der Leitfaden konkrete Empfehlungen zu Reinigung und Pflege. So wird es möglich, verschiedene dermatologische Probleme gleichzeitig zu behandeln.

Die jetzt gestartete dreijährige Studie SKINCARE untersucht an 500 Bewohnerinnern und Bewohnern von 20 Berliner Pflegeheimen, ob die Implementierung des Pflegeprogramms zu einer Verbesserung der Hautstruktur und -funktion sowie der Lebensqualität führt. „Damit die Pflegekräfte das Hautpflegeprogramm korrekt anwenden können, werden sie im Rahmen der Studie geschult“, erklärt Privatdozent Dr. Kottner. „So erhöht der neue Leitfaden auch die pflegerische Kompetenz des Personals.“

SKINCARE
Die Studie SKINCARE wird als eines von 15 Projekten vom BMBF im Rahmen der Förderinitiative „Gesund – ein Leben lang“ unterstützt. Ziel dieser Fördermaßnahme ist es, vorhandene Wissens- und Evidenzlücken für die besondere Patientengruppe der Älteren und Hochaltrigen zu schließen und zur Weiterentwicklung der klinischen Forschung in diesem Gebiet beizutragen. Dafür beabsichtigt das BMBF, von 2017 bis voraussichtlich 2023 rund 10 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. In die SKINCARE-Studie eingeschlossen werden Männer und Frauen ab 65 Jahren mit einem Pflegegrad 2 oder höher, die in einem Berliner Pflegeheim leben. In 10 der 20 teilnehmenden Pflegeheime soll das Hautpflegeprogramm eingeführt werden (Interventionsgruppe), in den übrigen Heimen werden die bisherigen Pflegemaßnahmen ohne Veränderungen fortgeführt (Kontrollgruppe).