AG FUSS: Versorgungsstrukturen in Gefahr

250 Spezialisten für den Diabetischen Fuß trafen sich am 8. und 9. März in Gießen zur Jahrestagung der AG FUSS (Foto: C. Maurer Fachmedien)

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Die neuen Regelungen der Produktgruppe 31 des Hilfsmittelverzeichnisses, aber auch die Finanzierung der Versorgungsstrukturen setzen die spezialisierten Fußbehandlungseinrichtungen mit ihren interdisziplinären Teams unter Druck. Das wurde in den Vorträgen und Diskussionen bei der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Diabetischer Fuß am 8.und 9. März 2019 in Gießen deutlich.

Insgesamt 250 Teilnehmer, davon etwa 150 Ärzte und 100 Teilnehmer aus den Bereichen Wundassistenten, Diabetesberatung, Podologie und Orthopädieschuhmacher waren der Einladung von Dr. Michael Eckhard, Ärztlicher Leiter des Univ. Diabeteszentrum Mittelhessen am Universitätsklinikum in Gießen, gefolgt, der in diesem Jahr Ausrichter der Jahrestagung war. Im Medizinischen Lehrzentrum der Justus-Liebig-Universität in Gießen wurde bei der Jahrestagung nicht nur viel Fachwissen vermittelt, unter anderem zur Radiologie und Gefäßchirurgie am Diabetischen Fuß, sondern auch intensiv über die Zukunft der Fußversorgung am diabetischen Fuß diskutiert.

Große Lücke in der Versorgungslandschaft
Fußambulanzen gibt es vor allem dort, wo es auch Verträge mit entsprechender Honorierung der Leistung gibt, erklärte Dr. Dirk Hochlenert und präsentierte dazu eine Landkarte, die dies anschaulich zeigte. Während in einigen Bereichen die Abdeckung gut ist, gibt es Regionen, wo es fast keine zertifizierten Fußbehandlungseinrichtungen gibt. Aber auch die bestehenden Einrichtungen haben es schwer, so Hochlenert. Seit fast 10 Jahren gebe es keine neuen Verträge mehr. Zwar sei der Erfolg der Fußbehandlungseinrichtungen für die direkt Beteiligten einsichtig und es gebe auch Erfolge, zum Beispiel einen Rückgang bei den Majoramputationen. Und durch die Zertifizierung der Behandlungseinrichtungen werde eine hohe Behandlungsqualität gesichert. Doch es sei schwer für die AG FUSS und die Fußbehandlungseinrichtungen Gehör bei den Krankenkassen und der Politik zu finden, damit die geleistete Arbeit auch honoriert wird.

Ein Umstand, der der AG FUSS Sorge bereitet, ist die Entwicklung der Wundzentren, die zunehmend auch die Wundversorgung am diabetischen Fuß für sich entdecken und auch dass Politik und Kassen offenbar dies in die Hände dieser Zentren legen wollen. „Das diabetische Fußsyndrom ist aber weit mehr als nur eine Wunde am Fuß“ so die unmissverständliche Klarstellung aller Mitglieder und Verantwortlichen AG FUSS. Man wolle und werde auf keinen Fall zusehen, wie bisher erreichte und international anerkannte Behandlungsstandards im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen getreten werden, erklärte Dr. Michael Eckhard.

PG 31: Rückschlag in der Diabetesversorgung
Die Regelungen der neuen Produktgruppe31, Schuhe, des Hilfsmittelverzeichnisses, werden auch Auswirkungen auf die Schuhversorgung von Diabetespatienten haben. Das wurde im Arbeitsausschuss Orthopädieschuhtechnik deutlich. Die AG FUSS hat in einer Stellungnahme an den GKV-Spitzenverband einige der neuen Regelungen deutlich kritisiert. So stößt es bei der Arbeitsgemeinschaft auf Unverständnis, dass die seit Jahren etablierte und breit genutzte Risikogruppeneinteilung zur orthopädieschuhtechnischen Hilfsmittelversorgung beim Diabetischen Fußsyndrom nicht berücksichtigt wurde. Dies bedeute einen Rückschritt hinsichtlich der seit Jahren gelebten und effektiven Versorgungsrealität. Kritisiert werden in der Stellungnahme auch die Einschränkungen beim Einsatz der Diabetesadaptierten Fußbettung. Dies sei nicht nachvollziehbar, denn die individuelle Patientensituation mit äußerst differenten Fußbefunden erfordere auch eine individuelle Versorgung bei gegebener medizinischer Indikation und nicht einen generellen Ausschluss einer Verordnungsfähigkeit.

Dialog statt Konfrontation
Nicht alle Regelungen der PG 31 seien schlecht, wurde in den Diskussionen während der Sitzung der Arbeitsgruppe immer wieder betont. Vieles stieß jedoch auch in dieser Runde auf Unverständnis. Auch hier, wie schon im großen Plenum, musste konstatiert werden, dass die Argumente für eine hochwertige und gute Versorgung oft ungehört verhallen. Dennoch sprachen sich viele dafür aus, den Dialog mit den Krankenkassen zu suchen und sie nicht als Gegner, sondern als Partner anzusprechen. Dass eine Partnerschaft – regional – möglich ist, konnten einige der Teilnehmer aus eigener Erfahrung bestätigen. Auch in Ihrer Stellungnahme hat die AG FUSS den GKV-Spitzenverband zum Dialog mit den Spezialisten für den Diabetischen Fuß aufgefordert. Falls darauf keine komme, will man von der AG FUSS aus, direkt auf den GKV-Spitzenverband zugehen.