Zuzahlungen für Kassenpatienten im Steigflug

(Bild: Petra Bork/Pixelio.de)

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4,21 Milliarden Euro Zuzahlungen mussten die gesetzlich Krankenversicherten in Deutschland im Jahr 2018 leisten. Damit sind diese von 2016 bis 2018 um 8,8 Prozent gestiegen, wie nach einem Bericht des Berliner Tagesspiegels aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht. Dies waren demnach 108 Millionen Euro mehr als 2017 und 342 Millionen Euro mehr als zwei Jahre zuvor.

Am stärksten erhöhte sich dem Bericht zufolge die Belastung bei Heil- und Hilfsmitteln, wo die Zuzahlungen demnach binnen zwei Jahren um 18,4 Prozent anstiegen, im Jahresvergleich um 5,3 Prozent. Größter Einzelposten bleiben Medikamente und Verbandsmaterial. Hier stiegen die Zuzahlungen im Vergleich zu 2017 um 2,5 Prozent auf 2,25 Milliarden Euro.

Fast keine Steigerung gab es dagegen bei den Zuzahlungen für die Behandlungen im Krankenhaus. Hier betrug die Belastung von Kassenpatienten 694 Millionen Euro. Das waren 0,6 Prozent mehr als 2017.

Der Linke Gesundheitspolitiker Achim Kessler forderte eine Abschaffung der Zuzahlungen. Sie bestraften diejenigen, die krank seien und einer ärztlichen Verordnung Folge leisteten. Auch die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, kritisierte: „Es darf nicht sein, dass Versicherte durch immer mehr Zuzahlungen an die Grenze der Belastungsfähigkeit gebracht werden.“ Ausgaben für ein neues Hörgerät oder für Zahnersatz sprengten bei vielen älteren Menschen das Budget.

Das Gesundheitsministerium (BMG) argumentierte, dass ein kompletter Wegfall der Zuzahlungen zu Mehrausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung führen würden und dies einer Erhöhung des durchschnittlichen Zusatzbeitrags von rund 0,3 Prozentpunkten entspräche.

Bei verschreibungspflichtiger Arznei werden die Patienten mit zehn Prozent des Verkaufspreises zur Kasse gebeten. Allerdings gibt es nach oben eine Begrenzung von zehn Euro, nach unten eines von fünf Euro - und die Zuzahlung in der Apotheke beträgt niemals mehr als die tatsächlichen Kosten des Mittels.

Im vergangenen Jahr hätten 5,4 Millionen Versicherte von Entlastungsregelungen beim Zusatzbeitrag profitiert. Befreit sind Kinder unter 18, für alle anderen gibt es eine Belastungsgrenze: Sie liegt bei zwei Prozent des Bruttoeinkommens, für chronisch Kranke bei einem Prozent.