Diabetes: Insulinbedarf steigt weltweit

(Foto: Henrik Gerold Vogel / pixelio.de)

Die globale Diabetesepidemie steigert die Nachfrage von Insulin. Der Bedarf wird nach Berechnungen in Lancet Diabetes & Endocrinology (2018; doi: 10.1016/S2213-8587(18)30303-6) bis zum Jahr 2030 um etwa 20 Prozent zunehmen. Schätzungen gehen dann von einem jährlichen Insulinbedarf von 634 Millionen Phiolen aus.

Alle Menschen mit Typ-1-Diabetes müssen Insulin injizieren, wenn sie überleben wollen. Menschen mit Typ-2-Diabetes werden zunächst mit anderen Medikamenten versorgt. Bei fortgeschrittener Erkrankung ist jedoch Insulin häufig das einzige Mittel, mit dem zufriedenstellende langfristige Blutzuckerwerte (HbA1c) erreicht werden.

Insulin war vor 40 Jahren das erste gentechnisch hergestellte Medikament. Es kann deshalb theoretisch in unbegrenzter Menge hergestellt werden. Die Preise sind allerdings relativ hoch. Weltweit gibt es nur drei Hersteller (Novo Nordisk, Sanofi und Eli Lilly). In ärmeren Ländern können sich deshalb viele Patienten eine Behandlung nicht leisten.

Am ausgeprägtesten ist die Unterversorgung derzeit in Afrika. Um dort alle Patienten, die Insulin benötigen, behandeln zu können, müsste die Produktion um den Faktor 7 erhöht werden, rechnet ein Team um Sanjay Basu von der Stanford University in Palo Alto/Kalifornien vor: Statt derzeit 718.000 Phiolen würden bis zum Jahr 2030 etwa 5,1 Millionen benötigt.

Auch in Asien werde der Bedarf bis zum Jahr 2030 stark ansteigen. Basu rechnet mit einer Zunahme um 26,5 Millionen Phiolen pro Jahr.

Derzeit gibt es weltweit schätzungsweise 406 Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes, im Jahr 2030 werden es vermutlich 511 Millionen sein. Mehr als die Hälfte davon leben dann in drei Ländern: China (130 Millionen), Indien (98) Millionen) und den USA (32 Millionen).

Der Bedarf hängt davon ab, welche HbA1c-Zielwerte angestrebt werden. Nach heutigen Maßstäben werden 7,4 Prozent aller Typ-2-Diabetiker mit Insulin behandelt. Bei einem (diabetologisch sinnvollen, aber anspruchsvollen) HbA1c-Zielwert von 7,0 Prozent würden 15,5 Prozent aller Menschen mit Typ-2-Diabetes Insulin benötigen.

Ein HbA1c-Wert von 7 Prozent wird heute nur von wenigen Menschen mit Typ-2-Diabetes erreicht. Er könnte jedoch nach weiteren Berechnungen von Basu den Verlust von vielen krankheitsfreien Lebensjahren (DALY) verhindern. Derzeit gingen 262.884 DALY verloren, weil Diabetiker die Zielwerte nicht erreichen. Im Jahr 2030 könnten es 331.101 sein, wenn Insulin nicht ausreichender Menge und zu vertretbaren Preisen verfügbar wäre.