Mehr Schulungen für Diabetespatienten

Bild: Fotolia_Skyfotostock
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Fast 30 Prozent der Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 erhält keine Diabetes-Schulung. Schulungen befähigen Betroffene dazu, ihre Erkrankung eigenständig und eigenverantwortlich zu managen und tragen so maßgeblich zu einer gelingenden Therapie bei. Entsprechend wichtig ist es, dass Diabetes-Patienten an einer Schulung teilnehmen, in der Diabetesberaterinnen oder -assistentinnen Wissen und Anwendung für das Selbstmanagement vermitteln. Der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD) appelliert an die Politik, nichtärztliche Gesundheitsfachkräfte wie Diabetesberaterinnen und -assistentinnen stärker zu unterstützen, indem Leistungen wie Diabetes-Schulungen adäquat vergütet werden.

Diabetesberaterinnen und -assistentinnen sichern als Mitglied des Diabetesbehandlungsteams die Versorgungsqualität. „Um qualifizierte Schulungen anbieten und Diabetespatienten so beim Umgang mit ihrer Erkrankung begleiten zu können, ist diese Berufsgruppe unerlässlich“, erklärt VDBD-Geschäftsführerin Dr. Gottlobe Fabisch. Um das Arbeitsfeld in der Diabetologie patientengerecht gestalten zu können, wird auch die Unterstützung durch die Gesundheitspolitik gesucht. Von Politik und Kostenträgern fordert der VDBD mehr Initiative, um das Berufsbild der Diabetesberaterinnen sowohl gesellschaftlich als auch finanziell aufzuwerten. „Dazu gehören unter anderem eine bundesweite Anerkennung der Weiterbildung zur Diabetesberaterin als eigenständiger Beruf, eine Vereinfachung der Abrechnung von Präventionsleistungen sowie eine adäquate Vergütung von Zusatzleistungen, die das bisherige Abrechnungssystem nicht abdeckt“, ergänzt Dr. rer. medic. Nicola Haller, VDBD-Vorsitzende.

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie empfiehlt, dass alle Patienten mit Diabetes mellitus bei Einleitung einer medikamentösen Therapie eine spezifische Schulung erhalten. Mithilfe von Schulungen und Beratungen – die grundlegenden Aufgaben von Diabetesberaterinnen und -assistentinnen – können Komplikationen wie Blutzuckerentgleisungen vermieden und die Lebensqualität der Patienten verbessert werden. In den Schulungen werden den Patienten die Grundfertigkeiten für die eigenständige Durchführung der Therapie, wie etwa Blutzuckermessen, Medikamenteneinnahme und Ernährungsumstellung vermittelt.

Die Anwendung von strukturierten Schulungs- und Behandlungsprogrammen ist in den Disease-Management-Programmen (DMP) der Krankenkassen verankert und in den evidenzbasierten Nationalen Versorgungsleitlinien zur Therapie des Diabetes mellitus gefordert. Trotz Einschreibung in das Disease-Management-Programm Diabetes mellitus galten jedoch bis zum Jahr 2015 nur 71,8 Prozent der Patienten mit Diabetes Typ 2 als geschult„Fast ein Drittel der Patienten hat keine strukturierte Schulung erhalten“, so die ausgebildete staatlich geprüfte Diätassistentin, Diabetesberaterin und Diplom-Medizinpädagogin. Die Gründe sind vielfältig: Unter anderem werden zu wenig Diabetes-Schulungen durchgeführt. „Ohne Schulung und umfangreiche Beratung entstehen bei den Patienten jedoch schon bei den elementaren Fähigkeiten große Defizite. Fehler beim Messen und Spritzen von Insulin sind keine Seltenheit“, ergänzt Haller. Menschen mit Diabetes sollten den Umgang mit ihrer Erkrankung in den Alltag integrieren, wozu auch Bewegung und die richtige Lebensmittelauswahl als Therapiebausteine zählen. Nur so können Blutzuckerschwankungen, gefährliche Unterzuckerungen und Folgeerkrankungen durch Diabetes mellitus vermieden werden.

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