Verantwortung für den ­Heilungsprozess übernehmen

ULRIKE KOSSESSA

Welche Strategien kann ich als Therapeut einsetzen, um den Patienten dabei zu unterstützen, die an ihn gestellten Aufgaben bestmöglich zu bewältigen? Wie wird das Thema Patientencompliance in der Podologieausbildung vermittelt? Einblicke und Anregungen aus Praxen und Schulen. 

Gerd (Name geändert) hat Diabetes mellitus Typ 2 und ist an einem Diabetischen Fußsyndrom (DFS) erkrankt. Aufgrund seiner verringerten Schmerz- und Temperaturempfindlichkeit hatte er die kleine Verletzung an seinem Fuß nicht sofort bemerkt. Da er sich regelmäßig podologisch behandeln lässt, fiel die Läsion der Therapeutin direkt auf, so dass umgehend Maßnahmen ergriffen werden konnten. Patient und Podologin sind zufrieden; der Fuß heilt gut ab. Denn Gerd ist aktiv am Heilungsprozess beteiligt, wäscht den Fuß vorsichtig, verwendet die verschriebenen Salben, vermeidet Druck im Schuh etc. Er hält sich konsequent an die mit der Podologin besprochenen Vorgaben, vertraut ihr. Seine Füße befinden sich schon lange in ihren erfahrenen Händen. Was sie vorschlägt und unternimmt, ist zudem eng mit dem zuständigen Arzt von Gerd abgesprochen. Optimal, wenn alles so reibungslos wie in diesem Fallbeispiel funktioniert. Das ist leider nicht selbstverständlich. Bei vielen Komplikationen am Fuß wird die Therapie nicht zeitnah oder konsequent genug angegangen. So kommt es immer wieder zu Verschlimmerungen des Krankheitsbildes, im Fall eines Diabetischen Fußsyndroms sogar bis hin zu Amputationen von Zehen oder Gliedmaßen. 

Therapietreue und Eigenverantwortung
Der Erfolg einer ärztlichen oder therapeutischen Behandlung steht und fällt mit der Compliance des Patienten. Ist der Betroffene mit den Empfehlungen nicht einverstanden oder hält er sich nicht an gemeinsam getroffene Vereinbarungen, wirken die Maßnahmen nicht oder nur bedingt. Compliance bedeutet im medikamentös therapeutischen Sinne Therapietreue und konsequente Einhaltung der Verordnungsvorschriften. Das hört sich nach einseitigem Druck und Forderungen an den Patienten an. Anstelle von Compliance werden in der öffentlichen Diskussion daher häufig die Begriffe Adhärenz (Bezeichnung für eigenverantwortliches Handeln des Patienten und seine bewusste Einwilligung in die Behandlung) und Empowerment (Ermächtigung, Übertragung von Verantwortung) verwendet. Die Unterschiede sollen an dieser Stelle nicht weiter diskutiert werden. Wichtig ist für den Erfolg einer Therapie, dass beide Seiten, Behandler und Betroffener aus Überzeugung Verantwortung für den Heilungsprozess übernehmen. Patienten, die sich ihres Erachtens verlässlich an den Behandlungsplan halten, überschätzen aber häufig ihre Compliance. Hier sind weitere Gespräche und Aufklärung erforderlich. Dazu gehört Verständnis für den Patienten, sein Anliegen, seine individuelle Krankheitssituation und mögliche soziale Beeinträchtigungen. So wächst Vertrauen und damit die Grundlage dafür, dass auch komplexe therapeutische Entscheidungen vom Patienten mitgetragen werden. Was ist, wenn sich der Patient als grundsätzlich nicht compliant zeigt?

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