Wozu benötigen Podologen Wundseminare?

Diabetikern_mit_Fußläsionen
Foto: Ida Verheyen-Cronau

Bei der Behandlung von Diabetikern mit Fußläsionen dürfen Podologen zwar nicht die Wundversorgung vornehmen, sie sind aber wesentliche Partner des Behandlungsteams. Im Idealfall arbeiten alle Beteiligten Hand in Hand. Hierbei hilft ein ganzheitliches Verständnis der Behandlungskonzepte, das in den Wundseminaren der ICW/TÜV vermittelt wird.

Bei der Behandlung von Menschen mit chronischen Wunden sind häufig ergänzende Therapien und Strategien verschiedener Fachbereiche und Professionen zusätzlich zur lokalen Wundbehandlung durch Ärzte und Pflegefachkräfte erforderlich. Neben den ­Podologen seien hier beispielhaft Ernährungsberater, Orthopädieschuhmacher und Physiotherapeuten genannt.

Ziel ist es, die Lebensqualität der Betroffenen zu steigern, deren Selbstpflege zu fördern und ihnen eine adäquate Versorgung zukommen zu lassen, um so die Wundheilung zu unterstützen. Auch nach Abschluss der Wundbehandlung ist die Vermeidung von Rezidiven eine elementare Aufgabe. Hier spielen Podologen eine entscheidende Rolle bei der Versorgung von Diabetikern. Da die Wahrnehmung der Füße durch die Polyneuropathie stark eingeschränkt ist, entdecken Podologen Auffälligkeiten, Infektionen und Wunden an den Füßen oft als Erste und können den Facharztbesuch empfehlen.

Fußulzerationen bei Diabetikern führen nach Zahlen der AOK jährlich zu 29000 Amputationen von Zehen, des Fußes oder der gesamten Extremität. Diese Patienten sind extrem gefährdet, weitere Amputationen infolge von Fehlbelastung zu erleiden.

Zusammenarbeit im Versorgungsprozess

Der Podologe ist auf die Abtragung von Keratosen spezialisiert, darf diese aber wiederum nur bis zum DFS Wagner 0 Stadium in seiner Praxis vornehmen. Eine Lösung ist die gemeinsame Behandlung in Wundambulanzen und Fußsprechstunden bei Diabetologen. Dort wird ergänzend zur Wundbehandlung ein Podologe konsiliarisch hinzugezogen. Dieser trägt im Auftrag des Arztes zum Beispiel die Hyperkeratosen im wundnahen Bereich ab, um den Druck von den Gewebeanteilen zu nehmen. Andere podologische Aufgaben wie Schwielenabtragung und Nagelpflege können im Anschluss in diesen Einrichtungen vorgenommen werden.

Die Podologen werden auch in ihrer Praxis mit Wunden konfrontiert und sollten in der Lage sein, den Verband oder die Wundauflage zu lösen sowie an­schließend wieder anzubringen oder zu ersetzen. Eine zeitliche und inhaltliche Abstimmung zwischen podologischer Behandlung und Wundbehandlung muss erfolgen, um einen wirtschaftlichen Material- und Ressourceneinsatz zu gewährleisten, unnötige Wege für den ­Betroffenen zu vermeiden und die Behandlungsqualität zu sichern.

Podologe hat Schlüsselfunktion

Podologen sind darüber hinaus präventiv und edukativ gefordert, wenn es einzuschätzen gilt, ob sich aus einer Hornhautschwiele eine Wunde entwickelt und ein Wundexperte hinzugezogen werden muss. Aus Patientensicht kommt erschwerend hinzu, dass die typische periphere Polyneuropathie (sensible, motorische und vegetative Nervenschädigungen der Peripherie) verhindert, dass der Patient Druck, Schmerzen, Brennen oder Kribbeln als Warnsignale wahrnehmen kann.

Dieser kurze Abriss zeigt, weshalb Podologen eine spezifische Weiterbildung im Bereich chronische Wunden benötigen und dass eine interprofessionelle Kooperation für alle Beteiligten Synergie­effekte bringt.

Sie besitzen ein Printabonnement, oder sind bereits registriert? Jetzt einloggen!
Lesen Sie jetzt den kompletten Artikel.
Angebot auswählen und sofort weiterlesen.
Oder direkt ein Printabonnement?
1 Jahr der-fuss.de für nur 57,10 € inkl. Mwst. und Versand.
Fordern Sie jetzt gleich Ihr Printabonnement an. Zum Formular
Sie sind schon registriert? Jetzt einloggen!
Sind Sie bereits Abonnent und haben Ihre Zugansdaten vergessen?
Fordern Sie jetzt gleich Ihre Zugansdaten an. Zum Formular