An die Gesundheit denken

BGM-Kreislauf

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) und betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) sind nicht nur für Großbetriebe ein Thema, sondern sie sollten es auch für Kleinbetriebe sein. Warum dies auch für Pododologiepraxen gilt, erläutern Dr. Jan Ries und Louisa Staff, B.Sc.

Die Gesundheit der Mitarbeiter in einem Betrieb hat einen entscheidenden Einfluss auf den Erfolg eines Unternehmens. Das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) und die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) spielen bisher hauptsächlich in großen Unternehmen eine Rolle, dabei sind 95,5 Prozent aller Betriebe in Deutschland Kleinst- (bis zu 9 Beschäftigte bzw. 2 Millionen Euro Jahresumsatz) und Kleinbetriebe (weniger als 50 Beschäftigte) und sind somit von zentraler Bedeutung für die deutsche Wirtschaft. 40 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland sind in diesen Unternehmen beschäftigt, aber nur 21 Prozent aller BGF-Maßnahmen der Krankenkassen werden von den Kleinst- und Kleinbetrieben in Anspruch genommen (DNBGF 2015).

Der Grund: Das Potenzial von BGM/BGF wird von den Unternehmen häufig auf Grund fehlender Kenntnis über den Prozess des BGM beziehungsweise der BGF nicht wahrgenommen, außerdem fühlen sich die Unternehmer teilweise mit der Umsetzung überfordert und kennen keine Ansprechpartner oder Netzwerke, die sie unterstützen könnten (BMG 2011). Die meisten Podologiepraxen in Deutschland gehören zur Gruppe der Kleinstunternehmer und haben demnach häufig noch keine Erfahrungen mit zielgerichtetem BGM beziehungsweise adäquater BGF gemacht. Dabei sind der Arbeits- und Gesundheitsschutz (Arbeitsschutzgesetz, Arbeitssicherheitsgesetz) sowie das betriebliche Eingliederungsmanagement bereits durch den Gesetzgeber geregelt und verpflichtend. Diese gesetzlichen Vorgaben werden somit „nur“ im Rahmen des BGM beziehungsweise der BGF erweitert. Die BGF ist für die Krankenkassen verpflichtend geregelt (§ 20a SGB V) und bietet somit einen Anknüpfungspunkt für die (freiwillige) Leistung des Arbeitgebers (BMG 2011).

Der Unterschied

Die Unterscheidung zwischen BGM und BGF ist wichtig für das Verständnis und die erfolgreiche Implementierung in der Podologiepraxis.

Das systematische BGM behandelt unter anderem folgende Fragen:

– Was macht krank (häufig im Bezug zu „harten“ Zielkriterien wie Fluktuation, Frühberentung, Berufskrankheiten, Unfallstatistiken, Fehlzeiten, Produktivität/Qualität etc.)?

– Was hält gesund (häufig im Bezug zu  „weichen“ Kriterien wie Mitarbeiterzufriedenheit, Wohlbefinden, Motivation, Identifikation, Arbeits- und Lernklima usw., die für die Erhaltung der Gesundheit essentiell sind)?

Betriebsinhaber fokussieren sich anfangs häufig nur auf die harten Zielkriterien, da zunächst eine problemorientierte Ausrichtung erfolgt (z. B. Was ist der Grund für die erhöhte Anzahl von Fehltagen? Was macht die Mitarbeiter krank?). Nicht selten folgt erst im Anschluss die Frage nach den weichen Kriterien und deren Potenzialen für die Gesundheit der Mitarbeiter (z. B. Wie kann ich das Wohlbefinden meiner Mitarbeiter steigern, damit diese gesund bleiben bzw. nicht (erneut) erkranken?).

Die zentralen Inhalte der betrieblichen Gesundheitsförderung sind im Wesentlichen:

– Maßnahmen zur aktiven Verbesserung der Gesundheit, des Wohlbefindens, der Arbeitsorganisation und der Arbeitsbedingungen (Stärkung körper­licher, sozialer und personeller Kompetenzen) im Rahmen der Primär­prävention (z. B. Kurse zu Ernährung, Bewegung, Stressprävention und Rückengesundheit).

– Verhaltensanalysen und gegebenenfalls  -änderungen aller Hierarchieebenen werden angestrebt.

BGF ist folglich als ein Teilergebnis vom BGM zu verstehen!

Daten sind nötig

Die Maßnahmen der BGF werden durch das BGM im besten Fall ermittelt und analysiert, so dass Maßnahmen für die BGF abgeleitet werden können. „Harte“ und „weiche“ Faktoren müssen, um Bedarfe und Resultate der Maßnahmen zu dokumentieren, messbar gemacht werden. Ganz entscheidend ist die Evaluation (Bewertung bzw. Beurteilung der Qualität) beim systematischen BGM (s. Abb.1), um tatsächliche Veränderungen nachhaltig umzusetzen und Erfolge sowie potenzielle Gestaltungsfelder zu analysieren.

Diese Daten dienen der Weiterentwicklung des unternehmensbezogenen BGM‘s und somit der Verbesserung der Maßnahmen der BGF („passgenaue Angebote“). Darüber hinaus stellen sie eine zentrale Rolle für mögliche Geldgeber (Krankenkassen, Berufsgenossenschaft, …), Organisationsbegleiter (Krankenkassen, Health Network, …) und Anlaufstellen (Krankenkassen, Berufsgenossenschaften, Geräte- und Dienstleistungsanbieter, …) dar, um erfolgreich (anhand objektiver Daten) zu verhandeln und ein BGM zu etablieren (Wegner 2009).

Die Gesunderhaltung und Gesundheitsförderung liegen nicht nur im dienstlichen Interesse – es gibt keine realen gesundheitlichen Probleme, die man in der arbeitsfreien Zeit komplett ablegen kann. Dabei ist es für eine erfolgreiche Implementierung wichtig, dass gesundheitsfördernde Maßnahmen nicht als zusätzliche Belastung vom Betriebsinhaber oder den Angestellten wahrgenommen werden (DNGF 2015). Die Vorteile der Podologiepraxen, die fast ausnahmslos zu den Kleinstunternehmen zählen, liegen klar auf der Hand.

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