Riskante Tattooentfernung durch Laser

(Bild: sabrina gonstalla / pixelio.de)

Das Entfernen von Tätowierungen per Laser ist riskant. Diese Einschätzung vermittelten  Experten der Deutschen Gesellschaft für Dermatochirurgie (DGDC) auf ihrer Strategietagung Anfang Juni in Dresden. „Die Pigmentartikel in der Haut zerplatzen durch Einwirken hoher Temperaturen in kleinste Einzelteile und werden anschließend über das Lymphsystem abtransportiert", so Tagungsleiter Jörg Laske, Dermatologe am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus. „Am leichtesten zu entfernen ist der schwarze Farbstoff, weil die dunklen Farben am meisten Energie absorbieren", sagte er. Blau, Grün und Rot würden sich aber als problematisch erweisen: "Da braucht es mehr Sitzungen und trotzdem bleiben oft Reste zurück."

Mögliche Langzeitfolgen können knotige Hautveränderungen sein oder zum Teil schwere Kontaktallergien. Zwar gibt es seit 2009 eine Tätowiermittelverordnung, bei der es sich überwiegend um eine Negativ-Liste von Stoffen handelt, die in den Farben nicht enthalten sein sollen. Doch beziehen viele Tätowierer keine deutschen Produkte, sondern kaufen über das Internet Farbstoffe aus Asien und den USA ein, deren Zusammensetzung nicht bekannt ist. Auch gebe es keine Pflicht, die Rezeptur der Substanzen offenzulegen, so Laske. Bei schweren allergischen Reaktionen, wie sie vor allem vom roten Farbstoff ausgelöst werden können, würden schließlich oftmals weder Salben noch Laser helfen, sondern nur, das Tattoo chirurgisch zu entfernen. An unerwünschten Narben führt dann kein Weg vorbei.

Jeder vierte ein Tattoo

Mittlerweile trägt in Deutschland jeder Vierte zwischen 25 und 34 Jahren ein Tattoo. Was die Komplikationsrate betrifft, so variierten die Schätzungen zwischen zwei und 27 Prozent, sagt Dr. Roland Aschoff, Leiter der Klinik für Dermatologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus. Dies schließt akute Komplikationen, die in der Regel zwei Wochen nach der Prozedur abgeklungen sein sollten, sowie Infektionen oder auch allergische Reaktionen ein.

Dazu kommt aber ein anderer Aspekt: dass der Farbstoff nicht nur dort verbleibt, wo er in die Haut eingebracht wurde, sondern im Körper „wandert“. Bei tätowierten Patienten mit Melanomen, schwarzem Hautkrebs, findet sich in nahgelegenen Lymphknoten der Tattoo-Farbstoff wieder, sagt Jörg Laske. „Welche Risiken das auf lange Sicht birgt, wissen wir noch gar nicht.“

Ebenfalls bisher weitgehend unbekannt sind Art und Wirkung der Abbauprodukte, die bei der Laserbehandlung entstehen, wenn nicht länger erwünschte Tätowierungen entfernt werden, sagt Roland Aschoff. Das Prinzip der Laserentfernung: Die Pigmentartikel in der Haut zerplatzen durch Einwirken hoher Temperaturen in kleinste Einzelteile und werden anschließend über das Lymphsystem abtransportiert.

Welches Risiko bei der Fragmentierung von Farbpigmenten in toxische oder krebserregende Bestandteile ausgeht, ist derzeit noch Gegenstand von Forschung. Das Bundesamt für Risikobewertung hat beispielsweise für die Laserbestrahlung des Blaupigments Kupfer-Phthalocyanin flüchtige und hochgiftige Verbindungen wie Blausäure oder Benzol nachgewiesen.

Die technische Entwicklung geht vom bisher gebräuchlichen Nano- zum Pikolaser, der mit noch kürzeren Energieimpulsen die Nebenwirkungen der Laserbehandlung wie Verbrennungen und Narbenbildung noch weiter mindern soll. An den Risiken von Tattoos und deren Beseitigung ändert das allerdings nichts.