Vorfußentlastungsschuh bei Diabetischem Fußsyndrom

Bei einem Patienten mit einem Diabetischen Fußsyndrom ist ein Vorfußentlastungsschuh aber häufig nicht in der Lage, eine ­Entlastung sicher zu stellen. Die Initiative Chronische Wunden e. V. hat in einer Stellungnahme über diese Problematik informiert und erklärt auch, wann die Verordnung eines Vorfußentlastungsschuhs nicht sinnvoll ist.

Das Gehen zählt wie das Stehen zu den Au­tomatismen und ist eine Verhaltensweise, die, nachdem wir sie als Kind einmal ge­lernt haben, selbsttätig vom Zentralnervensystem gesteuert wird. Der Mensch ist ein Zehenballengänger  und rollt über den Vorfuß und die Zehen ab. Im Idealfall führen wir beim Gehen den angehobenen Fuß nach vorne, setzen ihn mit der Ferse auf und rollen über die laterale Fußseite ab. Sobald die Körpermitte über den aufgesetzten Fuß nach vorne verlagert wird, berührt nur noch der Fußballen den Boden und trägt unser ganzes Körpergewicht, da in diesem Moment der gegensei­tige Fuß bereits angehoben ist. Der Fußbal­len wird beim Ab­rollen entsprechend der Länge der Metatarsalknochen von lateral nach medial belastet, so dass zuletzt nur noch der erste Zeh den Boden berührt, bevor der Fuß erneut angehoben wird. Je schneller wir gehen, desto kürzer sind die Belastungszeiten. Je langsamer wir gehen, desto länger sind sie. Je größer die Auflagefläche ist, desto geringer sind die lokalen Druckspitzen.

Diabetisches Fußsyndrom
Das diabetische Fußsyndrom ist in seiner Gesamtheit bis heute nicht eindeutig verstanden. Sicher ist, dass es über die verschiedenen Formen der diabetischen Polyneuropathie zu einer komplexen Änderung der Biomechanik des Fußes kommt, welches den Bewegungsablauf verändert und die lokalen Druck­belastungen erhöht. Die sensorische Polyneuropathie führt nicht nur dazu, dass der Betroffene eine gestörte sensible Reizwahrnehmung für Schmerz, Druck und Temperatur hat. Zusammen mit der Störung der tiefen Sensorik führt dies auch dazu, dass der Fuß als Körperteil im Gehirn nicht abgebildet wird. Alexander Risse beschreibt dies als „Leibesinselschwund“ [1]. Er versteht darunter eine Diskrepanz zwischen den erspürbaren und ertastbaren Körperteilen. Der Patient mit der diabetischen Polyneuropathie kann mit geschlossenen Augen seine Füße mit seinen Händen ertasten, aber er kann sie nicht als Teil seines Körpers spüren. Die Füße werden gesehen, aber als zum Körper gehörende Leibesinsel sind sie verschwunden. Die motorische Neuropathie beeinflusst den Tonus der Fußmuskulatur und führt zur Atrophie der kleinen Fußmuskeln. Ihre meist einfach sichtbare Folge ist die Ausbildung von Krallenzehen. Dies ist aber nur ein Zeichen für eine insgesamt gestörte Fußmuskulatur mit verändertem Zusammenspiel wäh­rend des Bewegungsablaufs und einer ­reduzierten Stabilität. In der Fol­ge kommt es zu veränderten Druckbelastungen beim Gehen und Stehen.

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