Welche Menschen erhalten eine podologische Therapie?

podologische Therapie

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Mitglieder des Deutschen Verbandes für Podologie (ZFD) e. V. erhielten 2015 einen Frage­bogen. Innerhalb von sechs Wochen gingen 1663 anonymisierte ausgefüllte Fragebögen zurück. Professor Knut Kröger, Podologin Annett Biedermann und Dr. Peter Lübke stellen hier die Ergebnisse vor.

Patienten mit einem Diabetes mel­litus haben eine hohes Risiko, Druckstellen und offene Wunden an den Füßen zu entwickeln, die mit der Gefahr der Amputation einhergehen. Die Gründe dafür sind vielfältig und umfassen die diabetische Polyneuropathie, repetitive Druckbelastungen durch falsches Schuhwerk, eine begleitende periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) und die häufig erst zu späte fachärztliche Behandlung [1, 2]. In den letzten Jahrzehnten wurden große Anstrengungen unternommen, um die Amputationsrate bei Diabetikern zu senken und einige Länder haben vielversprechende Zahlen mit abnehmenden Amputationsraten publiziert [3]. Ursächlich  sind hier vermutlich viele verschiedenen Faktoren wie eine frühzeitige ­Revaskularisation, schonendere chirurgische Verfahren, die Verordnung von therapeutischen Schuhen und die integrierte Fußpflege durch spezialisierte Teams [4].

Die Fußpflege bei Diabetikern sollte die Behandlung von Verhornungen und Druckstellen durch Abtragung und Ent-lastung ebenso umfassen wie die Nagelpflege, die Prävention von Pilzinfektion und die Anleitung der Patienten zum Selbstmanagement [4, 5, 6]. In Deutschland und in der Schweiz wurde hierfür das Berufsbild der Podologen etabliert, das es so in keinem anderen Land gibt.

Anhand der Daten aus der DRG-Statis­tik (DRG = Diagnosis Related Group) und den Bundesberichten der gesetz­lichen Krankenkassen konnten wir zeigen, dass es zwischen der zunehmenden Verschreibung von podologischer Therapie (PT) und der Abnahme der Major-­Amputationen in Deutschland eine ­direkte Assoziation gibt [7, 8]. In einer zweiten Analyse haben wir den Einfluss der Anzahl von Ärzten (niedergelassen oder im Krankenhaus tätig, Zusatzbezeichnung Diabetologie), der Anzahl der endovaskulären Eingriffe und der Anzahl der verordneten PT und Antidiabetika auf die Amputationsrate untersucht.

Nur die Anzahl der verordneten podologischen Therapie und der durch­geführten endovaskulären Eingriffe ­unterhalb des Knies hatten einen unabhängigen und statistisch signifikanten Bezug zum Rückgang der Major-Amputationen [9].

Trotz dieser Ergebnisse gibt es wenige Daten dazu, mit welchem klinischen Bild die Patienten zur podologischen Behandlung kommen und was den Einfluss auf die Amputationsrate erklären könnte. Ist es nur die regelmäßige podologische Therapie oder möglicherweise das frühere Erkennen von medizinisch zu behandelnden Problemen? Mit einer solchen Information kann man ein besseres Verständnis des Nutzens der podologischen Therapie für die Vermeidung von Major-Amputation bekommen. Daher führten wir in Podologiepraxen eine Umfrage durch, um spezifische Merkmale der Patienten, die zur podologischen Therapie kommen, beziehungsweise ihrer Füße, zu erfassen.

Patienten und Methoden

Im Juli 2015 versandten wir einen einseitigen Fragebogen an die Mitglieder des Deutschen Verbandes für Podologie (ZFD) e. V. und baten sie, diesen mit den nächs­ten zehn konsekutiven Patienten auszufüllen. Wir fragten nach allgemeinen Daten wie Alter, Gewicht und Größe. Außerdem fragten wir, ob die Patienten ihre Füße erreichen konnten, wer sich um die Nagelpflege kümmert, ob sie ihren letzten HBA1c-Wert wissen und ob sie regelmäßig in die Praxis kommen oder wegen eines akuten Problems. Ein akutes Problem wurde definiert als akute Charcotdeformation, Infektion oder ein gebrochener Knochen.

Wir fragten weiterhin, welche Art von Schuhe die Patienten zum Zeitpunkt der Vorstellung trugen (normale Konfektionsschuhe, normale Konfektionsschuhe + Einlagen, Diabetes-adaptierte Schuhe oder orthopädische Maßschuhe) und was die wichtigste Einzelmaßnahme bei der podologischen Therapie bei dieser Vorstellung war (Behandlung von ­Zehennägeln, Reduktion der Hornhaut, Behandlung von Clavi und/oder Veruccae, Anwendung von Druck- oder Reibungsschutz).

Nach sechs Wochen erhielten wir 1663 ausgefüllte anonymisierte Fragebögen (926 Männer, mittleres Alter ± SD: 68 ± 11 Jahre; 737 Frauen, mittleres Alter 71 ± 12 Jahre) zurück. Die Berechnungen wurden mit Microsoft Excel 2003 und Microsoft Access 2003 ausgeführt.

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