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Pille_Gesichtsausdruck
Wer die Pille nimmt, interpretiert Gesichtsausdrücke schlechter.(Bild: Rike_pixelio.de)

Frauen, die die Antibabypille einnehmen, können offenbar die Gesichtsausdrücke anderer Menschen schlechter interpretieren. Dies zeigen die Ergebnisse einer experimentellen Studie in Frontiers in Neuroscience (2019; doi: 10.3389/fnins.2018.01041).

Orale Kontrazeptiva gehören zu den am besten untersuchten Arzneimitteln. Zahllose Studien haben die Nebenwirkungen auf Hormonhaushalt und Sexualfunktion, Herz- und Kreislaufsystem, Krebs- und Thromboserisiko und auch auf die Psyche untersucht. Bisher kaum bekannt sind die Auswirkungen auf kognitive Leistungen. Dazu gehört beispielsweise die Fähigkeit, die Emotionen anderer Menschen an ihrem Gesichtsausdruck zu erkennen.

Ein Team um Alexander Lischke von der Universität Greifswald hat 42 Frauen, die die „Pille“ einnehmen, und 53 Nichtanwenderinnen den „Reading the Mind in the Eyes“-Test vorgelegt. Er besteht aus Fotos von 36 Gesichtern, denen die Probanden jeweils eine von vier vorgegebenen Emotionen zuordnen sollten (etwa „verspielt", „tröstend“, „irritiert“ oder „gelangweilt"). 

Die Anwenderinnen der hormonellen Kontrazeptiva schätzten die Emotionen der abgebildeten Frauen schlechter ein als die Nichtanwenderinnen. Die Unterschiede waren nicht gravierend, die Fehlerrate war laut Lischke bei den Anwenderinnen hormoneller Kontrazeption um etwa 10 Prozent höher. Die Unterschiede könnten jedoch gerade bei jüngeren Frauen wichtig sein, da sie die „Anbahnung und Aufrechterhaltung von zwischenmenschlichen Beziehungen erschweren könnten“, meint der Psychologe. Gynäkologen sollen sie deshalb auf diesen möglichen Nachteil hinweisen.

Warum das so ist und worauf die Unterschiede beruhen, ist nicht bekannt. Doch an kann davon ausgehen, dass die verabreichten Hormone der Auslöser sind. Ein Einfluss der hormonellen Schwankungen während des Menstruationszyklus war nicht erkennbar.